Statements

documenta-Finale

27. September 2022

Wenigstens sie hielt sich an das, was man ausgemacht hatte. Marion Ackermann, die Dresdner Museumschefin, die als einzige Kunst-Expertin im zuletzt berufene Experten-Gremium dieser enorm umstrittenen documenta fifteen saß, unterschrieb die längere Text-Fassung der Runde nicht. Nachvollziehbar. Immerhin hatte man vereinbart, zunächst eine wissenschaftliche Analyse der Großausstellung und ihrer Organisationsstruktur zu erarbeiten, bevor die Öffentlichkeit informiert wird. Von Schnellschüssen, kurz vor dem Finale, war niemals die Rede. Aber was war nicht alles vereinbart worden, bevor dieses völlig missglückte, antisemitisch angehauchte Aktivistencamp eröffnet wurde. Beim nächsten Mal, vom 12. Juni bis zum 19. September 2027, muss man’s besser machen, viel besser (khs).

Umfrage-Ergebnis

27. September 2022

Erschreckend. Exakt nur 24,5 Prozent der Befragten, so das Resultat einer Bertelsmann-Studie, räumten kürzlich im Zuge einer Umfrage ein, vertrauen ihren Volksvertretern. Der Ruf von Politikerinnen und Politikern ist so schlecht wie niemals zuvor. Und man könnte meinen, mit jedem Regierungswechsel, ob auf Bundes- oder Länder-Ebene, nehmen Misstrauen und Ablehnung weiter zu. Es sind freilich die zahllosen Beispiele, die tagein und tagaus für Skepsis und sogar für Empörung sorgen. Ein Mitarbeiter aus dem Amt der früheren Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Robin Mishra, den man in der Zentrale nicht mehr brauchen konnte, wurde abgeschoben und weggelobt – ins Bundesarchiv. Dort verdient er jetzt so viel wie der Präsident der Einrichtung. Schmerzensgeld wohl (khs).    

Anfangsverdacht

16. September 2022

Bedenkt man, wie gefragt Reinhard Mucha in jungen Jahren war, wie erfolgreich er den Kunstbetrieb mit seinen unverwechselbaren Installationen aufmischte, auch auf der Biennale in Venedig, 1990, dann war es danach vergleichsweise still um ihn. Ein Verweigerer, der Mucha, sagten manche Insider. So gilt jetzt der besondere Beifall der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, die bis zum 22. Januar 2023 in beiden Häusern, K 20 und K 21, unter dem Titel „Anfangsverdacht“ eine umfangreiche Werk-Übersicht präsentiert. Freilich gibt sich Reinhard Mucha mittlerweile leutseliger: Wer als Museumsbesucher am Eingang ein Ticket für ein „Fortuna 95“-Heimspiel vorlegt, darf gratis eintreten. Anfangsverdacht: Der Künstler ist älter und mithin geschmeidiger geworden (khs).

Schlussurteil

16. September 2022

Dass der bald 80-jährige amerikanische Land-Artist Michael Heizer ein besonderer Kauz unter den Kollegen ist, wusste man schon vor Jahrzehnten. Immer wieder drangen Nachrichten durch, dass er sogar mit einem Gewehr den Zugang zu einem Areal nördlich von Las Vegas verweigerte, auf dem er nun, rund fünf Jahrzehnte nach Baubeginn, seine Megaskulptur „City“ eröffnete (jetzt immerhin für sechs Personen pro Tag zugänglich). Dass Heizer, der das begehbare Millionen-Kunstwerk mit Hilfe der Triple Aught Foundation realisierte, in der Planungsphase nicht wissen konnte, wie sich die Welt verändern würde, mag man gerne einräumen. Aber im Zuge einer neuen Wahrnehmung der Umwelt, mithin Klima- und Ressourcen-Aspekte inklusive, stellt sich die Frage, ob solcher Größenwahn noch zeitgemäß ist (khs).           

Dürftige Recherche

6. September 2022

Der Regisseur Dieter Wedel, der Choreograph Jan Fabre, der Theatermann Klaus Dörr, der Musiker Siegfried Mauser – sie alle standen im Verdacht, übergriffig geworden zu sein, wurden teils wegen Missbrauch-Delikten verurteilt. Nun hat die Kunstszene ihren Skandal, und weltweit wird kolportiert, dass der Berliner Galerist Johann König mehrere Frauen sexuell belästigt haben soll. Dabei basiert der Vorwurf auf einer zwar drei Jahre dauernden, doch überaus dürftigen Recherche: Drei Mitarbeiterinnen der „ZEIT“ nennen mit vollem Namen eine einzige Zeugin, eine Pariser Kuratorin, die etwas beobachtet haben will. Journalismus? Mitnichten (khs).

Erfolgreicher Außenseiter

6. September 2022

Wenn zwei sich streiten, so lehrt die Erfahrung, profitiert mitunter der Dritte. Das ist nun in der Artnet AG geschehen, wo seit langer Zeit ein Kampf um die Macht tobt – zwischen dem Gründer Hans Neuendorf und dem Unternehmer Rüdiger Weng. Dabei geht es unter anderem um die auffällig starke Einbindung von Neuendorf-Familienmitgliedern in die Führungscrew, aber auch um Fragen des Verlustzuwachses oder des Aktienrechts. Kein Wunder also, dass ein bekannter Berliner Anwalt, nämlich Pascal Decker, der Artnet-Aufsichtsratsvorsitzende, in der Hauptversammlung den meisten Zuspruch erhielt. Immerhin 95 Prozent der abgegebenen Stimmen (khs).    

Empörung vonnöten

30. August 2022

Kann, darf das denn sein? Da lässt Kulturstaatsministerin Claudia Roth von ihren BKM-Presseleuten wortgewaltig vortragen, dass der Bund nun auch 2,3 Millionen Euro zur Förderung journalistischer Arbeit zur Verfügung gestellt habe, dass zehn Projekte mit jeweils rund 200 000 Euro bezuschusst werden – und dann stellt sich heraus, dass die „unabhängige Fachjury“ (BKM-Pressestelle) auch mit einer Frau besetzt ist, Ferda Ataman, die über ein Jahrzehnt lang zu den „Medienmacher*innen“ gehörte. Just diese Vereinigung wird ebenfalls berücksichtigt. Das kann doch kein Zufall sein. Es ist ein Skandal (khs).

Verwunderung vonnöten

30. August 2022

Es ist ja nicht so, dass die Bundestagspräsidentin von sich aus in Sachen Kunst aktiv wird oder sich, wenigstens, diesbezüglich mal äußert. Bärbel Bas hat andere Themen. Aber mitunter kommt es eben vor, dass sie von besorgten Bürgern angeschrieben wird. Ein Hanseat aus Hamburg musste zwar ein paar Wochen lang auf ein Feedback warten, als er sich zur wenig kompetent wirkenden Besetzung des Ausschusses für Kultur und Medien vor allem mit Anwälten und Kaufleuten unter den Bundestagsabgeordneten äußerte, doch dann kam sie doch noch, die Antwort. Die zuständige Bas-Stabsstellenleiterin stellte entlarvend fest, „dass die biografische Nähe zum Kulturbetrieb nicht zwingend hilfreich ist“. Ein Hoch auf den Dilettantismus im Bundestag also (khs).   

Kopflosigkeit 1

23. August 2022

Warum wohl? So genau weiß man es nicht. Aber seit Jahren ist offensichtlich, dass er zu den weißen Männern im deutschen Kunstbetrieb gehört, die grundsätzlich anecken, am laufenden Band für Widerspruch und Kritik sorgen – beinahe egal, was sie tun. Es geht um Walter Smerling, der vornehmlich auf der Achse Bonn (Stiftung für Kunst und Kultur) und Duisburg (Museums Küppersmühle) unterwegs ist, aber wieder auch ausschwärmt, in andere Länder, in andere Städte. Zuletzt stieß er mit seiner Initiative, in Berlin, Tempelhof, eine Kunsthalle zu etablieren, auf immense Ablehnung in der Hauptstadt. Jetzt darf erwartet werden, dass die Aufstellung der jüngsten Skulptur von Erwin Wurm, „Walking Bag“, im Zentrum Bonns als weiterer Beweis seiner Macho-Haltung gesehen wird. Es handelt sich, vereinfacht formuliert, um eine Luxus-Handtasche auf zwei weiblichen Beinen. Es wäre kein Wunder, wenn nun auch manche Kritikerinnen kopflos reagieren würden (khs).

Kopflosigkeit 2

23. August 2022

Ach, was soll man sagen, wie soll man diesen bekannten Choleriker aus der Berlusconi-Gefolgschaft noch neu mit Worten fassen? Fassungslos rundum viele im internationalen Kunstbetrieb, wenn sie erfahren, was Vittoria Sgarbi diesmal wieder angestellt hat. Man kann es kaum glauben, aber der ehemalige Kurzzeit-Staatssekretär der Berlusconi-Ära in Italien fuhr mit Blaulicht vom Filmfest in Locarno ab, um schneller nach Hause zu kommen – und tickte völlig aus, als er am Grenzübergang von Schweizer Polizisten endlich gestoppt und zur Kasse gebeten wurde. Damit nicht genug. Tagelang gab Sgarbi anschließend auf Twitter unflätige Breitseiten gegen die Schweiz ab, weil sie seine Selbstherrlichkeit gestört hatte. Der einst, 2011, auch als Kurator des italienischen Pavillons der Biennale in Venedig tätige Tausendsassa gehört mittlerweile zu den Politikern und Vermittlern, die in der Branche gemieden werden. Nachvollziehbar (khs). 

1 2 3 9
crossmenuchevron-up-circle