Statements

Viel Skepsis

17. Mai 2022

Kann das gutgehen? Ist Stephanie Rosenthal, die umweltbewusste und politisch überaus korrekte Direktorin des Gropius-Baus in Berlin, tatsächlich die Frau, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigen kann, welche Rolle die Kunst auch unter missgünstigen Voraussetzungen spielen muss? Schließlich geht es nicht immer nur ums Monetäre. Auf jeden Fall wird Rosenthal vom 1. September an das Projekt Guggenheim Abu Dhabi leiten und somit die Weichen für eines der größten Museen weltweit stellen. Skeptiker zuhauf; verständlich (khs).

Null Feedback

17. Mai 2022

Wie kann das sein? Sind die Italiener nicht enge Freunde der Deutschen, haben die Medien nicht stets voller Wohlwollen über das berichtet, was Germania auf der Biennale in Venedig zeigt? In diesem Jahr scheint das anders zu sein. Für Maria Eichhorn, die sich den Pavillon der Bundesrepublik unter dem Aspekt seiner Geschichte vorgenommen hat (über das NS-Regime hinaus), keine Zeile. Nichts zu lesen, weder links noch rechts, weder in „La Repubblica“ noch in „Corriere della Sera“. Kein Statement ist freilich auch ein Feedback (khs).   

Kunst, politisch

3. Mai 2022

Gut gemacht. Ralf Beil, der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, hat die Urban Art Biennale, einst von seinem Vorgänger gegründet und mit Inbrunst in der traditionsreichen Industrie-Architektur realisiert, erstmals in den Stadtraum hineinwachsen lassen. Die Entwicklung macht auch deshalb Sinn, weil diesmal – mehr als jemals zuvor – viele der beteiligten Künstler in situ gearbeitet haben, so dass neue Werke vor Ort entstanden sind, oft im direkten Austausch mit der Bevölkerung. Und die aktuelle Lage, ob Pandemie oder Krieg, hat zudem viele der Kreativen angeregt, dezidiert politisch zu arbeiten. Kurzum: Die sechste Urban Art kann sich in der Tat sehen lassen (khs).  

Kunst, olfaktorisch

3. Mai 2022

Wie riecht ein Getreidefeld, wie eine frisch gemähte Wiese? Wie stinkt Pulverdampf oder Hundekacke? Und, ja: Will man es wissen? Wollen Ausstellungsbesucher angesichts von Landschafts- oder Schlachten-Gemälde auch die entsprechenden Gerüche inhalieren? Im Prado in Madrid wird derzeit darüber nachgedacht, wie der Raum 83 erkennen lässt. Dort lässt sich die Kunst olfaktorisch wahrnehmen, weil in Zusammenarbeit mit einem Parfümeur erstmals der Versuch gestartet wurde, die Besucher auch dank unterschiedlichster, gleichwohl auf die Bilder abgestimmter Düfte zu begeistern. In wenigen Wochen, so heißt es, wird man mehr wissen. Ob Scharfseher zugleich Spürnasen sind. Oder ob sie sich überfordert fühlen, was wohl gut möglich ist (khs).     

So ist es richtig

26. April 2022

Natürlich hätte man es gut verstehen können, wenn Witwe Rita alles absagen würde, die für den 30. und 31. Juli geplante Aktion auf der Basis des sogenannten Sechs-Tage-Spiels nicht mehr realisiert sehen mag. Immerhin war Hermann Nitsch, der bekannteste der Wiener Aktionisten, am Ostermontag im Alter von 83 Jahren in einem Krankenhaus in der Nähe seines Schlosses Prinzendorf verstorben. Doch offenbar will Rita Nitsch das Vermächtnis von den Freunden des Orgien-Mysterien-Theater-Machers umsetzen lassen und bereitet zusammen mit der Nitsch Foundation, Wien, das zweitägige Fest ganz nach der detailliert vorliegenden Partitur des Künstlers vor. Dass Nitsch die Entscheidung richtig finden würde, davon darf man ausgehen. Denn der Dialektiker betonte stets die Einheit der Gegensätze, also auch Leben und Tod (khs).     

So geht es nicht

26. April 2022

Neben Hannover und Bremen war Hamburg schon immer führend, wenn es um die Kunst im öffentlichen Raum ging. Millionen wurden im Laufe der Jahrzehnte ausgegeben, um die Hansestadt auch mit teils überaus anspruchsvollen Werken zu möblieren. Und immer wieder waren bildnerische Konzepte realisiert worden, die davon zeugten, dass sich die Kunst selbst laufend verändert. Von raumgreifenden, oft tonnenschweren Arbeiten hin zu leichten, flüchtigen, auch zu solchen, die Partizipation möglich machen. Zum 40. Geburtstag des Programms Kunst im öffentlichen Raum hat sich Hamburg nun weitere 500 000 Euro genehmigt, um neue Werke zu installieren. Dabei schmerzt es, wenn bestehende Arbeiten vergessen und eben vernachlässigt werden, etwa die verrottende „Firmament“-Installation von Stephan Huber und Raimund Kummer, 1994 am Hauptbahnhof-Nord verwirklicht (khs).

Der Ast, auf dem er sitzt

19. April 2022

Ob das heikelste Thema ebenfalls aufgegriffen und womöglich von beiden Seiten beleuchtet wird? Auf jeden Fall ist nichts ausgeschlossen, wenn ein hellwacher rbb-Moderator, Volker Wieprecht, den nun anstehenden Jahresempfang der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin in eine vitale Show verwandeln soll. Stiftungspräsident Hermann Parzinger, so ist es vorgesehen, soll nämlich auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth begrüßen – und er hätte durchaus Grund, die neue Rechtaufsicht zu fragen, warum sich der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages kürzlich für eine Etat-Sperre in Höhe von sechs Millionen Euro ausgesprochen hat, ob die Entscheidung mit ihr, Roth, abgestimmt gewesen sei. Immerhin wurde Parzinger quasi abgestraft, weil die geplante Stiftungsreform nicht recht vorankommt. Er will halt den Ast, auf dem er bis zur eigenen Pensionierung sitzen bleiben möchte, nicht abschneiden. Verständlich, aber nicht im Sinne der Reformforderung des Wissenschaftsrates (khs).   

Jubiläum ohne den Gründer

11. April 2022

Hätte man ihn, Kasper König,den Altmeister der Kuratoren, nicht noch eine Runde weitermachen lassen können? Musste man ausgerechnet jetzt, nachdem er bereits sage und schreibe fünf Mal die künstlerische Leitung der renommierten Skulptur Projekte in Münster innehatte, den Wechsel herbeiführen? Denn für die nächste Ausgabe dieser stets hochkarätig besetzten Schau der Kunst im öffentlichen Raum, für 2027 mit einem Neun-Millionen-Etat vorgesehen, soll ein neuer Kurator gefunden werden (die Findungskommission wird im Herbst eingesetzt). Dabei hatte Kasper König im Jahr 1977 und somit exakt 50 Jahre vor der kommenden Ausstellung den Gründungsdirektor gegeben. Man hätte es ihm gewünscht, die Skulptur Projekte noch einmal inszenieren zu dürfen (khs).   

Berlin mit Bronze-Pferden

11. April 2022

Musste das sein? Wer kam auf die Idee, einen der Hitler-Lieblinge unter den Bildhauern, Josef Thorak, noch einmal in Berlin zu feiern? Oder soll es tatsächlich eine echte kritische Auseinandersetzung werden, wenn im Herbst in der Hauptstadt, Zitadelle Spandau, jene Bronze-Prachtrösser des Künstlers aufgestellt werden, die bis 1943 vor der Reichskanzlei standen und dann verschwanden. Zuletzt waren die Adolf-Hengste von Nazi-Fans versteckt und dann beschlagnahmt worden. Derzeit lagern sie noch in einer Halle, verwahrt vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, und man würde sich wünschen, dass sie dort auch bleiben dürfen. Zumal allerorten der öffentliche Raum gründlich durchleuchtet wird – und solche Relikte vergangener Zeiten lieber abgeräumt als installiert werden (khs).

Ein Glück: Mehr Solisten 

5. April 2022

Nun ist es vollbracht. Catherine Nichols, die aus Berlin kommende Kuratorin der 14. Manifesta (die vom 22. Juli an in Pristina, Kosovo, stattfinden wird), hat soeben die lange streng vertraulich gehütete Künstlerliste veröffentlicht. Es handelt sich um insgesamt 77 Teilnehmer/innen aus über 30 Ländern, darunter die Hälfte aus dem Kosovo. Hatte man Sorge, dass der überall anzutreffende Trend zum Kollektiv auch diese Großausstellung prägen könnte, ist nun mit Erleichterung festzustellen, dass von Nichols insgesamt nur 17 Gruppen berücksichtigt wurden, darunter das Haveit Collective, StoryLab, tamtam und Werker Collective. So wird die Auseinandersetzung mit einzelnen Positionen und individuellen Künstler-Biografien weiterhin möglich sein. Zu den weithin bekannten Positionen zählen Lee Bull, Petrit Halilaj, Flaka Haliti, Roni Horn, Adrian Paci, Ugo Rondinone und Chiharu Shiota (khs).

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