Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

Die Zeitung, die Kunst und Kunstbetrieb durchleuchtet, und zwar Monat für Monat. Künstler und Ausstellungen, Markt und Museen, Debatten und Trends.

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Die KUNSTZEITUNG steht nicht nur für kritischen Journalismus und herausragende Autoren, sie kann auch auf einige rekordverdächtige Zahlen verweisen.

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

Die kommende KUNSTZEITUNG erscheint als Doppelausgabe August/September 2021 am 1. September.

KUNSTZEITUNG, PDF DER AKTUELLEN AUSGABE

Hier können Sie die vollständige Doppelausgabe Juni/Juli 2021 online lesen.

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Doppelausgabe Juni/Juli 2021 der KUNSTZEITUNG erschienen.

Es mag an der Jahreszeit liegen, vielleicht auch an den schneeweißen Wänden im Verlagshaus, ganz sicher aber an der durch Corona in den Keller gegangenen Stimmung: Wir haben einen Riesenhunger nach Farbe. Als wir während der letzten Lockdown-Phase, in der Kirchen geöffnet waren, aber Museen geschlossen sein mussten, in St. Matthäus am Berliner Kulturforum standen und dort den ebenso schwarzen wie unbeleuchteten „Kreuzweg“ von Gregor Schneider wahrnahmen, wurde es uns schon bewusst. Aber in den vergangenen Wochen haben wir noch häufiger von jener Seh(n)sucht gesprochen. Beide einst selbst als Maler ausgebildet, hatten wir schon in jungen Jahren erkannt, wie sehr sich Rot, Blau, Gelb und die auch daraus abzuleitenden anderen Farben auf die eigene Gefühlslage auswirken können.

Die Kunstgeschichte liefert schließlich Beispiele zuhauf. Unvergessen, wie der 2009 im Alter von knapp 102 Jahren verstorbene Münchner Maler Rupprecht Geiger mit seinen teils fluoreszierend roten Bildern die Menschen und ihre Architekturen quasi aufheizte. „Rot ist das Leben“, so Geiger. Nicht weniger energetisch aufgeladen die legendären monochromen Leinwände von Yves Klein, der 1962, erst 34 Jahre alt, in Paris starb. Der Nouveau- Réalisme-Mitbegründer erzeugte mit seinem sogar patentierten „International Klein Blue“ eine einzigartige Sogwirkung.

Bewegung im malerischen Minimalismus auch bei Jürgen Meyer, Düsseldorf, Jahrgang 1945. Der Künstler, der um 1990 herum mit grünen Bildern Furore machte, sogar auf Jan Hoets documenta 9 vertreten war, zeigte aufs Schönste, wie in der Reduktion der Konkreten Kunst durchaus Vielfalt möglich ist. Pinselführung in der AOS, der All-Over-Struktur, spielte auch bei Ad Reinhardt, Jahrgang 1913, dem von Josef Albers, Piet Mondrian und Mark Rothko beeinflussten amerikanischen Farbfeldmaler, eine zentrale Rolle. Seine berühmten „Black Paintings“, nach 1953 entstanden, faszinierten letztlich auch als Tafeln der Meditation. Endpunkt der Malerei.

Apropos Black: Natürlich, so sagten wir kürzlich, lachend, sollten wir in unserer monatlichen Kolumne, „… spontan Notiertes“, diesmal der Farbe gewidmet, keinesfalls vergessen, dass unzählige Künstler eine Farbe im Nach- oder Vornamen tragen. Karla Black eben, Jahrgang 1972, oder die gleichnamige, aber mit ihr nicht verwandte Hannah Black, neun Jahre jünger. Natürlich die Kontext-Kunst- Artistin Renée Green. Oder die Malerin Rosa Loy, Leipzig, die eigentlich Sibille Rauch heißt und mit Neo Rauch verheiratet ist. Freilich Oda Jaune, Paris, bürgerlich Susan Michaela Immendorff, der 2007 starb, der sie, als sie noch seine Schülerin war, kurzerhand mit diesem Künstlerinnen-Namen versah, weil Gelb seine Lieblingsfarbe war. Nicht zu vergessen Pae White, Los Angeles, Jahrgang 1963, die im Hauptterminal des neuen Berliner Flughafens eine rote Skulptur installieren durfte, einen Fliegenden Teppich.

Zum Abheben oder Wundern wohl auch, dass uns spontan nur ein einziger männlicher Künstler einfiel, der Farbe im Namen trägt, nämlich Matti Braun, in Berlin geboren, in Köln zuhause. Erst später, als wir den Zufal l irritiert infrage stellten, kam uns dann noch Daniel Blau in Erinnerung, der Sohn von Georg Baselitz, freilich kein Künstler wie der malende Vater, sondern ein Kunsthändler.

Frauen in der Übermacht, so könnte man attestieren, würde es um die reine Quote gehen. Die ist aber so wenig unser Thema wie die Frage, welche Lieblingsfarbe wir haben. Ob Rot oder Schwarz, ob Green oder White, ob Rosa oder Jaune: Letztlich zählen nur Qualität, Intensität und Identität – in der Malerei und im Leben. Auch in der Zeit nach Corona.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid