News

SPK-Reform?

6. Dezember 2022

Handelt es sich wirklich um eine Reform – oder nur um ein Reförmchen?  Einst hatte der Wissenschaftsrat empfohlen, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz radikal umzubauen, neu zu strukturieren und dabei auch den übermächtigen Stiftungspräsidenten, Hermann Parzinger, ins Visier der Neuplanung zu nehmen. Doch nach jahrelangem Flügelschlagen und unzähligen Meetings zeigt sich nun, dass die von der zuständigen Rechtsaufsicht, der Kulturstaatsministerin, präsentierte „Reform“ noch voller unerledigter Themen steckt.  

Ein Gerücht

29. November 2022

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Gerücht, dass der amerikanische Star-Galerist Larry Gagosian sein Imperium mit über 20 Galerie-Dependancen rund um den Globus an den französischen Milliardär und Sammler Bernard Arnault verkaufen will, hält sich beharrlich. Dabei hatte Larry, wie ihn, den 77-Jährigen, alle nennen, zuletzt viel getan, um solche Spekulationen zu verstreuen. Doch seine Hintergrund-Informationen, kürzlich erst einen Vorstandsrat eingesetzt zu haben, geben dem Gerücht neue Nahrung: Im Gremium sitzt auch Delphine, die älteste Arnault-Tochter.

Eine Überlegung

29. November 2022

Der 2018 verstorbene Milliardär Paul G. Allen hatte verfügt, dass der Erlös seiner vor kurzem bei Christie’s versteigerten Kunstsammlung für wohltätige Zwecke ausgegeben werden soll. Nachdem sich das Auktionsergebnis dank rauschhaft gesteigerter Saal- und Online-Aktivitäten in astronomisch anmutende Höhen katapultierte und bald die Milliarden-Schallmauer durchbrochen war, gerät der internationale Kunstbetrieb nun ins Grübeln. Zumal Experten ahnen, dass in den kommenden Jahren weitere Sammlungen dieses Kalibers zur Versteigerung kommen. Logisch, dass die inflationäre Situation von Kritikern argwöhnisch beäugt wird. Die Sorge gilt der Frage, ob die Bereitschaft, laufend Höchstpreise für Kunst zu zahlen, vom Bewusstsein der Käufer getragen sein könnte, etwas Gutes zu tun, sozial engagiert zu sein.        

art KARLSRUHE, neu besetzt

22. November 2022

Dass Olga Blaß, bereits seit 2011 führend im Team der art KARLSRUHE tätig, von 2023 an, wenn sich der Gründer und Kurator Ewald Karl Schrade zurückzieht, in der neuen Doppelspitze vertreten sein wird, überrascht niemanden. Aber dass die Messe Karlsruhe soeben den erfahrenen „Positions“-Messemacher Kristian Jarmuschek, Berlin, zugleich Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler, für die künftige Leitung verpflichtet hat, das ist dann doch eine Sensation. Er soll als Vorsitzender des Messe-Beirats im Einsatz sein. Als Gast nimmt Jarmuschek bereits im Dezember teil, wenn in Karlsruhe die Jurierung der Aussteller für die 20. art KARLSRUHE stattfindet (4. bis 7. Mai 2023). 

Art Cologne, wieder aufwärts

22. November 2022

Zwar hatte sich Daniel Hug, der Direktor der Art Cologne, diesmal vorgenommen, wieder jene Besucherzahlen zu erreichen, die vor der Pandemie selbstverständlich waren, nämlich knapp 60 000, doch letztlich mussten er und die Koelnmesse mit gut 40 000 zufrieden sein. Der hervorragenden Verkaufsstimmung schadete die niedrigere Quote freilich nicht, weil offenbar die richtigen, die wichtigen Sammler auf der traditionsreichen Messe unterwegs waren. Rund 200 Aussteller aus zwei Dutzend Ländern veräußerten unzählige Werke auch im sechsstelligen Bereich, von Alex Katz (950 000 Euro) bis John Baldessari (275 000 US-Dollar), von Otto Mueller (245 000 Euro) bis Hermann Nitsch (160 000 Euro).  

Hamburger Bahnhof, gerettet

15. November 2022

Na endlich. Lange hat es gedauert, und ohne heftige Reaktionen seitens der Medien und einer Privatinitiative wäre wohl seitens der Politik keine rettende Bewegung entstanden. Vorübergehend schien es schon so, als seien die Rieckhallen des Hamburger Bahnhof in Berlin für den Abriss bestimmt. Doch nun, quasi in letzter Minute, haben sich das Land Berlin und der Bund, nicht immer auf einer Wellenlänge, doch noch verständigt und gemeinsam alles getan, dass sowohl die Hallen als auch das historische Gebäude erworben und für die Zukunft als Gegenwartskunstmuseum erhalten bleiben, wie Claudia Roth für den Bund und Franziska Giffey für Berlin der Öffentlichkeit mitteilen können.

Kunsthalle Nürnberg, gefährdet

15. November 2022

In Bayern wird zwar auf Landesebene gerne so getan, als seien Kultur und Kunst von besonderer Bedeutung, doch mit einem Flankenschutz etwa des in Franken verwurzelten Ministerpräsidenten dürfen auch die Einrichtungen dort nicht rechnen. Verzweifelt rudert die CSU-Kulturreferentin Julia Lehner im Zuge einer komplizierten Sparhaushaltsplanung der Stadt Nürnberg und des Kämmerers Harald Riedel, SPD, gegen die mittlerweile erklärte Absicht, aus Kostengründen auch die Kunsthalle Nürnberg schließen zu wollen. Von außen betrachtet: Man kommt nicht umhin, hinter der Attacke gegen die Kunst etwas zu vermuten, was mehr auf persönlicher Ebene liegt. In Nürnberg wird geflüstert, dass sich Lehner und Riedel nicht ausstehen können. 

Untenherum

8. November 2022

Natürlich weiß die Branche spätestens seit der vor über zwei Jahrzehnten außerordentlich erfolgreichen Veröffentlichung „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ (Gesamt-Auflage in 40 Sprachen: zweieinhalb Millionen Exemplare), dass die französische Kunstkritikerin Catherine Millet ein völlig freies Sexualleben führt, keinerlei Tabus kennt. Nun hat die Autorin offenherzig nachgelegt und dabei weitere Geheimnisse preisgegeben, die freilich die Frage aufwerfen, ob die Neuerscheinung „Anfänge“, so der jüngste Titel, ebenfalls umsatzstark sein wird. Denn ahnte man nicht schon, dass die Frau, nur ein Beispiel, untenherum aufs Höschen verzichtet?   

Obendrüber

8. November 2022

In Washington, jeder weißt es, hat die Politik das Sagen, und kulturell geht’s im Wesentlichen um das, was mal war, um Institutionen, die der Geschichte verpflichtet sind. Jetzt allerdings haben die auch in Europa sehr bekannten Sammler Mera und Donald Rubell, die in ihrer Family Collection rund 7 000 Arbeiten der Gegenwartskunst zusammengetragen haben, ein Museum eröffnet, das den Regierungssitz, quasi obendrüber, zum Hotspot zeitgenössischer Malerei, Skulptur und Installation werden lässt. Die ehemalige Randall High School bietet auf über 3 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche eine auch politisch aufgeladene Start-Schau, in der viele Schwarze Künstlerinnen und Künstler vertreten sind.

Provokativ

1. November 2022

Unvergessen, der Norbert Kricke, der in diesem Jahr hundert geworden wäre. Der 1984 gestorbene Bildhauer, einst auch als Rektor der Düsseldorfer Akademie tätig, gehörte zu den Pionieren, die der Konkreten Kunst eine einzigartige Dynamik gaben. Geschwindigkeit spielte bisweilen auch einen Rolle, wenn Kricke, ein Provokateur, die Arbeiten seiner Kollegen ins Visier nahm. Aus Gotthard Graubners Kissenbilder wurden dann schon mal kurzerhand „Pissmatratzen“. Jetzt wird im Rahmen einer konzertierten Aktion in Duisburg an das Unikum erinnert. Von Mitte November an zeigen das Lehmbruck Museum, das Museum Küppersmühle und das Museum DKM unzählige Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken.

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