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Ein Samurai-Museum für Berlin

17. Mai 2022

Ohne private Initiative geht nichts in Berlin. Kaum haben sich die Freunde der Kunst von George Grosz um eine öffentliche Präsentation des Werks in einer ehemaligen Tankstelle an der Bülowstraße gekümmert, startet das nächste Museum. In der Auguststraße, wo Thomas Olbricht zehn Jahre lang seinen „me Collectors Room“ bespielte, hat soeben der Sammler Peter Janssen eine etwa 1 500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche eröffnet. „Europas erstes Museum, das sich ausschließlich der Kultur und Geschichte der Samurai widmet“, so heißt es. Und der Japan-Kenner bietet insgesamt rund 4 000 Objekte, darunter Rüstungen, Helme und Schwerter, in immer wieder neuen Inszenierungen.

Eine Überraschung in New York

17. Mai 2022

Dass der Star-Galerist Larry Gagosian für sich selbst oder einen Kunden bei Christie’s in New York rund 195 Millionen Dollar ausgab, um eine Warhol-Ikone zu erwerben, die Marilyn eben, das war nicht wirklich verwunderlich. Immerhin hatte der international agierende Händler einst just dieses Bild schon einmal in Händen gehalten und verkauft. Dass aber mit einem Maler-Star der Achtziger, nämlich mit dem Schweizer Martin Disler, vor einem Vierteljahrhundert verstorben, noch einmal eine stattliche Rendite zu erzielen ist, das hat dann doch viele Insider überrascht. Auf 20 000 Dollar Taxe geschätzt, brachte ein Disler-Gemälde aus dem Jahr 1982 sage und schreibe rund 180 000 Dollar. 

Kunstdiebstahl in Bielefeld

3. Mai 2022

Eine beeindruckende Leistung. Während der regulären Öffnungszeiten des Museums Hülsmann in Bielefeld hat soeben eine junge, tatverdächtige Frau trotz Wachpersonal, Videoüberwachung und einer speziellen Sicherung des Bildes ein 47 mal 36 Zentimeter großes Porträt-Gemälde des niederländischen Malers Pieter Aertsen aus dem Jahr 1561 entwenden können. Wie sie das geschafft hat, weiß zur Stunde noch niemand. Aber Zeugen erinnern sich, dass die hochdeutsch sprechende und zugleich lispelnde Dame eine große Mappe mit roter Kordel unter dem Arm trug, als sie das Haus betrat und es wieder verließ.

Rechenschaftsbericht in Bonn

3. Mai 2022

Überfällig, diese Ausstellung. Und auch insofern interessant, als diesmal in der Bundeskunsthalle in Bonn nicht nur gezeigt wird, was die Ankaufskommission des Bundes für die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland mit den üblichen Mitteln erworben hat. Unter den rund 170 Arbeiten, die bis zum 3. Oktober präsentiert werden, sind auch zahlreiche Bilder, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten zu sehen, die dank des „Neustart“-Etats der Kulturstaatsministerin angekauft werden konnten. Insgesamt waren zwölf Juroren im Einsatz, das Richtige und Wichtige für den Bund auszuwählen.     

Gelb-blaues Fähnchen

26. April 2022

Der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“-Kritiker Niklas Maak gehört bekanntlich zu den Journalisten, die meinungsfroh unterwegs sind und sich bisweilen auch verleiten lassen, kampagnenartig zu reagieren, wenn ihnen eine Persönlichkeit oder ein Sachverhalt zweifelhaft erscheinen. Das musste kürzlich der Tempelhof-Ausstellungsmacher Walter Smerling erfahren, das gilt aber auch für Phänomene des Kunstalltags. In der „FAS“ vom 24. April berichtete Maak aus Venedig, Biennale, und nahm sich die Szene schonungslos vor. „Jeder Kurator, jeder Immobilienmakler, der eben noch Deals mit Russland machte, steckt sich als Zeichen seiner neuen Verbundenheit mit Kiew stolz das gelb-blaue Fähnchen vom letzten FDP-Parteitag ans Revers“, kommentierte der bekannte Autor. Man wolle jetzt auf der richtigen Seite gesehen werden.

Grün-grünes Denken

26. April 2022

Mehr geht kaum. Und das dokumentieren die nüchternen Zahlen, die jetzt bekannt wurden. Im Zuge der zunehmenden Aktivitäten der bundesweiten Initiative „Culture4Climate“, die sich auf den Spuren des Pariser Klimaabkommens bewegt, hörten die Teilnehmer einer Veranstaltung an der Europäischen Akademie Berlin, dass es allein der Gropius Bau in der Hauptstadt geschafft hat, seit 2013 durch die Umstellung auf Öko-Strom die eigene jährliche CO2-Bilanz um knapp 900 Tonnen zu reduzieren. Vorbildlich, was Stephanie Rosenthal und ihr Team in diesem Berliner Ausstellungshaus leisten. Kein Wunder also auch, dass die vom Bundesumweltministerium geförderte Nationale Klimainitiative von Jahr zu Jahr mehr Erfolge auch im Kulturbereich verzeichnen darf.

Neues für Mailand

19. April 2022

Während die Kunstwelt nun nach Venedig strömt, um die Biennale zu sehen, sorgt er, der Sohn der Stadt, im heimischen Mailand für Aufsehen. Maurizio Cattelan, immer für eine Überraschung gut, ob er ein goldenes Klo aufstellt oder verderbliche Bananen verkaufen lässt, hat in der Galerie seines Freundes Massimo De Carlo eine brandneue Arbeit platziert, „YOU“. Es handelt sich um eine der typischen Cattelan-Selbstbildnis-Puppen, die im blauen Anzug und mit Strick um den Hals (voraussichtlich bis zum 25. Juni) unter der Galerie-Decke hängt. Eine neue Botschaft? Aber welche? Dass er aussteigen möchte, den nun in Venedig hochtourig drehenden Kunstbetrieb verlassen könnte, das hat er vor zehn Jahren schon mal demonstriert, als er sich, voller Midlife-Crises, plötzlich verabschiedete, vorübergehend freilich nur.

Geld für die Ukraine

19. April 2022

Dass sich der über 90-jährige Gerhard Richter in diesen Tagen wie so viele Menschen weit aus dem Fenster lehnt und den von Putin angezettelten Krieg in der Ukraine auch so nennt, ihn obendrein als verbrecherisch einstuft, kommt nicht von ungefähr. Gerade in der Kunstszene empören sich immer mehr Künstler über die Gräueltaten und versuchen, wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten, um die Not zu lindern. Richter hat – zeitgleich mit über 40 Kolleginnen und Kollegen – in sein Depot gegriffen und Kunst gespendet. Dem Verein „Kunst hilft geben“ stellte er Editionsarbeiten seines hoffnungsvollen Kerzen-Motivs zur Verfügung (Sofortkauf: 65 000,- Euro), während andere Künstler – von Thomas Baumgärtel über HA Schult bis Günther Uecker - ebenfalls mit Bedacht auswählten, was sie beisteuerten.

Zitatrecht und Urheberrecht

11. April 2022

Obgleich man in digitalen Zeiten den Eindruck gewinnt, das Urheberrecht sei nicht mehr viel wert, liefert ein Beispiel aus Amerika den Gegenbeweis. Andy Warhol hatte vor knapp vierzig Jahren ein Schwarzweiß-Porträtfoto des Popstars Prince für eine seiner Siebdruck-Serien verwendet. Als die Fotografin, Lynn Goldsmith, ihre Aufnahme Jahrzehnte später, nämlich erst 2016, wahrnahm und eine Klage androhte, drehte die Andy Warhol Foundation den Spies um und bekam zunächst vor dem zuständigen Bezirksgericht in New York recht. Argumentiert wurde mit dem Zitatrecht. Nun hob ein Berufungsgericht das Urteil auf – und so wird in nächster Instanz der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten entscheiden. 

Immunität und Anonymität

11. April 2022

Um Rechtsfragen geht es auch in Österreich, wo in Wien die Belvedere-Chefin Stella Rollig in größter Diskretion einen Leihgaben-Vorgang behandelt hat, der in Deutschland unter dem Begriff der „rechtsverbindlichen Rückgabe-Zusage“ bekannt ist, der im Nachbarland als „Immunitätszusage“ kursiert. Rollig hatte sich für eine ihrer Ausstellungen ein umstrittenes Damen-Porträt von Gustav Klimt besorgt, das früher schon einmal als national wertvolles Kulturgut eingestuft war und dennoch bei einer Auktion in New York verkauft wurde. An wen – das ist so wenig bekannt wie die Antwort auf die Frage, wer die Klimt-Leihgabe zurückerhielt. Denn im speziellen Fall war nicht nur Immunität zugesichert worden, sondern auch Anonymität.     

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