Lindinger + Schmid

Informationsdienst KUNST

Museumsfeindliche Stadtkämmerer oder korrupte Kunsthändler müssen Karlheinz Schmids Editorials fürchten. Der Herausgeber des Informationsdienst KUNST ist nicht nur ein unterhaltsam-flapsiger Schreiber, er ist auch ein ausgezeichnet recherchierender Journalist.

Tim Ackermann
„Die Welt”

Der Branchenbrief für die Kunstszene, seit 1991 von Karlheinz Schmid herausgegeben, liefert vierzehntäglich unverzichtbare Hintergrund-Informationen. Also Nachrichten und Meinungen über Personen, Preise und Projekte. Hinweise auf neue Editionen, attraktive Stellenangebote und wichtige Publikationen. Speziell für Galeristen und Sammler, Künstler und Kritiker, Museumsleute und Kunstvereinsmitglieder.

Für den Informationsdienst KUNST recherchieren und schreiben regelmäßig sieben Szene-Kenner: Dorothee Baer-Bogenschütz, Andrea Hilgenstock, Susanne Kaufmann, Marion Leske, Jörg Restorff, Karlheinz Schmid und Carl Friedrich Schröer.

 

Informationsdienst KUNST, Editorials

AKTUELL: Informationsdienst KUNST 695 – Editorial

Informationsdienst KUNST 695

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, jetzt schlägt’s gewissermaßen dreizehn. Als müsse man als unabhängiger Journalist nicht ohnehin am laufenden Band die Meinungsfreiheit verteidigen, sich gegen allerlei Unterlassungsforderungen und andere Begehrlichkeiten behaupten, nun auch zunehmend Äußerungen, die unsere Gilde als Fake-News-Produzenten und üble, allemal entbehrliche Zeitgenossen darstellen. Das Spektrum der Presse-Gegner reicht von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (siehe ID 694, Seite 4) bis zum Möchtegern-Wildgruber Lars Eidinger (siehe Seite 17 dieser Ausgabe), der am 23. Januar in einem »Süddeutsche Zeitung«-Interview sein Instagram-Plädoyer mit einer Ohrfeige für professionelle Medien-Arbeiter verknüpfte.

Dass dabei eine gesellschaftliche relevante Berufsgruppe verunglimpft wird, die früher in der Kritiker-Rolle als Korrektiv im Staat willkommen war und nun allmählich durch die oft unsozialen Sozialen Medien von Ablösung und Tod bedroht ist, schien der Schauspieler nicht zu merken. Im Rausch der eigenen Eitelkeit (»Wir leben im Zeitalter des Narzissmus«) hielt es der Tausendsassa (Filmdarsteller, Theaterakteur, Fotograf, DJ, Designer) für opportun, sein Bild in der Öffentlichkeit nicht von Journalisten prägen zu lassen. Wie Kramp-Karrenbauer: Wir berichten selbst über uns, so die Botschaft, was hier impliziert, auf professionellen Journalismus sei leicht zu verzichten.

Im Humus solcher Fehleinschätzungen gedeiht aufs Vorzüglichste eine Hetz-Kampagne von rechts außen. Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, ist es zu verdanken, dass eine schon beinahe untergegangene Nachricht quasi im letzten Moment doch noch öffentlich wurde. Zimmermann berichtete vor wenigen Tagen von einer Drucksache, Nummer 17/8417, im Landtag von Nordrhein-Westfalen, bezogen auf einen Gesetzesentwurf zur »stärkeren Verankerung« der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in der Arbeit des Westdeutschen Rundfunks.

Schon die Diktion lässt nichts Gutes ahnen, und tatsächlich hat die AfD-Fraktion in Düsseldorf, angedockt an das »Umweltsau«-Affärchen, die Gunst der Stunde nutzen wollen, um die Freiheit von Journalisten massiv einzuschränken. Kaum zu glauben, aber geht es nach dem AfD-Kanonier Herbert Strotebeck, Drucksache 17/8525, dann sind fortan in NRW Journalisten vom Verfassungsschutz auf ihre Verfassungstreue zu überwachen. Ausgerechnet die AfD muss einen solchen Entwurf in den parlamentarischen Umlauf bringen, absurd.

Wer seine Kritiker-Aufgabe nicht als dilettantisches Online-Hobby betreibt, sondern seit Jahrzehnten beruflich und somit verantwortlich agiert, könnte trübsinnig werden. Denn die Entwicklung der Medien steuert ins Abseits. Weltweit werden Journalisten observiert, drangsaliert und ermordet, und die Einschränkung von Pressefreiheit ist auch längst hierzulande zu spüren. Das alles passt in eine Zeit, in der die gute Laune täglich abnimmt, sogar in diesen Wochen, vor dem Rosenmontag, am 24. Februar. Eine Stimmung wie im Totenmonat November, wenn landauf und landab in der Kunstszene über Trauer sinniert wird und Kuratoren lieber dem Sterben als dem Leben auf der Spur sind.

Oberbürgermeister Andreas Hesky lädt nach Waiblingen ein, wo bis Ende April »Liebe, Traum und Tod« gezeigt werden, eine Max-Klinger-Schau. In der Hamburger Kunsthalle startet soeben die Ausstellung »Trauern. Von Verlust und Veränderung« (bis Mitte Juni). Und in der Alten Nationalgalerie in Berlin plant das Team derzeit für den Wonne-Monat Mai »Todessehnsucht und Dekadenz« (bis Mitte September). Kurzum: Vom belgischen Symbolismus bis zur Kunst der Dreißigjährigen (beispielsweise Bunny Rogers als Trauer-Artistin im Kunsthaus Bregenz, bis 13. April) – auf allen Ebenen und allerorten viel Abschied. Ganz so, als sei rundum alles nur noch traurig. Ist es das? Beispiele zuhauf? Ja, durchaus. Dennoch ein Trost: Jedem Abschied wohnt ein Neuanfang inne. Man muss ihn halt finden.

In dieser Ausgabe: Irritation wegen Berufung der neuen russischen Kulturministerin, Olga Ljubimowa (Seite 3). Fragen wegen Ausstellungsort für den jüngsten Kollwitz-Preisträger, Timm Ulrichs (Seite 5). Rechtsstreit um Bauakademie-Direktor Florian Pronold (Seite 6). Verlegerwechsel nach Rückzug von Florian Illies (Seite 9). Corona-Virus: Art Basel Hong Kong in Gefahr (Seite 9). Umbau-Maßnahme: Dorit & Alexander Otto Stiftung beschenkt Schwerin (Seite 13). Gelungener Start: Julia Draganovic, Villa Massimo (Seite 13). Neues Museum: Fotografiska New York (Seite 16). Peinliche Nummer: Lars Eidinger (Seite 17). Insolvente Nummer: Johanna Penz (Seite 18). Strafzoll-Nummer: Donald Trump (Seite 19). Preis-Check: Günther Förg (Seite 21). Impressum (Seite 25). 

Informationsdienst KUNST 694 – Editorial

Informationsdienst KUNST 694

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, gewiss ist es Ihnen auch längst aufgefallen, dass wir in Deutschland, mag sich mancherorts durchaus dies und das verzögern, alles in allem auch unter einem Hang zur Voreiligkeit leiden. Überstürzt werden, weil sich Politiker profilieren wollen, allerlei Museumsbauprojekte angekurbelt und die erforderlichen Basismittel besorgt, bevor überhaupt klar ist, was im Gehäuse inhaltlich passieren soll. Jüngstes Beispiel ist zweifellos das geplante Zentrum für Fotografie, dessen sinnvolle Gründung niemand in Zweifel zieht. Aber wie kann es sein, dass Johannes Kahrs (SPD), der Kultur-Experte im Haushaltsausschuss des Bundestages, der wohl selbst gerne Staatsminister wäre, an Monika Grütters (CDU) vorbei einen Alleingang nach Düsseldorf und zu Andreas Gursky macht – und am Ende über 41 Millionen Euro für einen Bundesbau bewilligt sind, bevor das Gesamtkonzept für eine solche Institution steht? Ist das nicht irre?

Das Kahrs-Solospiel zugunsten der Fotografie und des Rheinlands passt freilich bestens zu anderen Frühstarts auf Bundesebene in Berlin. Im Zuge der endlosen Debatten um die historisierende Deko-Hülle Humboldt Forum wurde es jahrelang versäumt, ernsthaft Profil und Programm des Weltkulturen-Museums auch im Zuspiel der beteiligten Kräfte zu erörtern. Und was im geplanten Museum des 20. Jahrhunderts genau stattfinden wird, weiß offenbar auch niemand genau – zumal es Gerüchte gibt, dass die vorgesehenen Bestände aus Privatbesitz am Ende nicht oder nicht vollumfänglich zur Verfügung stehen werden. Sie waren aber einst das ausschlaggebende Argument, um die jetzt schon in der Frühphase des Projekts teurer gewordene Architektur aus Steuermitteln zu finanzieren.

Mit neuen Häusern, so scheint es, können Politiker auftrumpfen und Pluspunkte sammeln. Kein großes Problem offenbar, den Bundestag zu überzeugen, das Millionen-Füllhorn auf die Baustellen zu lenken. Dagegen rührt sich wenig, wenn es um den Erhalt und die Entwicklung vorhandener Einrichtungen geht.

Sie kennen das Drama: Von ganz wenigen Museen und Kunsthallen abgesehen, wo eine angemessene Etat-Situation registriert werden darf, gibt es überall, ob auf kommunaler Ebene oder im Kontext von Landes- und Bundesmuseen, das große Wehklagen, weil die Mittel nicht reichen, um beispielsweise ein attraktives Ausstellungsprogramm zu realisieren. Was da so alles dank der bescheidenen Bordmittel, ohne Fremdkosten zu verursachen, letztlich zusammengepfuscht werden muss. Aus eigenen Beständen in die selbst gebastelte Quotenfalle – so läuft es oft. Frustration bei den Kuratoren, Kopfschütteln bei den Besuchern. Improvisationen, die nichts bringen, weder konzeptionell noch umsatzmäßig. Deutsche Wirklichkeit, seit Jahren schon.

Macht man sich die Mühe, einmal irgendwo den Zahlensalat zum Jahreswechsel detailliert unter die Bilanz-Lupe zu nehmen, dann stellt sich Mitleid ein – mit den Museumsleuten, die unter diesen Umständen eine überzeugende Arbeit machen sollen. Der (356-Millionen-Etat-)Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, wo der Generaldirektor der Staatlichen Museen keinen Einfluss hat, rechnete für 2019 aus Haushaltsmitteln und Eintrittsgeldern 3,85 Millionen Euro zusammen, ergänzt durch 3,3 Millionen Drittmittel dank Freundeskreise und Sponsoren, um schließlich rund 7,1 Millionen Euro Ausstellungsetat für alle (!) und somit knapp 20 Museumsgebäude zur Verfügung zu stellen.

Klartext: Rund 350 000 Euro Etat für Ausstellungen und Aktivitäten pro Haus und pro Jahr. 350 000 Euro – ja, geht’s noch? Monatlich also etwa 30 000 Euro. Logisch, dass das Jahresprogramm 2020 der Staatlichen Museen zu Berlin so dürftig aussieht, hausbacken eben, obgleich es nun anderthalb Milliönchen mehr geben soll. Vorausgesetzt, Freunde und Sponsoren bleiben der Stiftung und ihrem halb verhungerten Museumsressort gewogen. Man mag es sich nicht ausmalen, was zum Beispiel ohne die Freunde der Nationalgalerie wäre. Den Hamburger Bahnhof dichtmachen? Womöglich.

Das Problem liegt letztlich auch dort, wo in der Hauptverwaltung der Stiftung ignoriert oder in Unkenntnis der musealen Arbeit schlichtweg verpennt wird, ausreichend Ausstellungsmittel zu bewilligen. Nur mal ein Vergleich: Für eine einzige Ausstellung in diesem Jahr, für die Berlin Biennale, hat Monika Grütters über die Kulturstiftung des Bundes drei Millionen Euro fließen lassen. Drei Millionen – damit müssen sämtliche Museen zu Berlin rund vier Monate lang Ausstellungen und Programm machen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.

In dieser Ausgabe: Die UNESCO und das immaterielle Kulturerbe (Seite 5). Die Klassik Stiftung Weimar und ihre Digital-Offensive (Seite 8). Goldmünzen-Leihgeber Boris Fuchsmann zieht vor Gericht (Seite 10). Tabubruch-Präsident Donald Trump bedroht Kulturdenkmäler (Seite 11). Es wird improvisiert: Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Sonsbeek 2020 (Seite 11). Es wird teuer: Jaime Botin und der Picasso-Schmuggel (Seite 12). Chobot-Sammlung für Wien (Seite 13). Huts-Sammlung für Antwerpen (Seite 15). Porno, Kitsch und Koons: »Bild am Sonntag« (Seite 15). Baselitz, Hirst und Richter: Duo Horten/Husslein (Seite 17). Gelatin und kein Ende (Seite 18). Vegetarier und kein Stillleben (Seite 19). Preis-Check: Gerhard Hoehme (Seite 21). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 693 – Editorial

Informationsdienst KUNST 693

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, willkommen in den Zwanzigerjahren dieses noch jungen Jahrtausends. Natürlich denken alle sofort an die glorreichen Zwanziger des vergangenen Jahrhunderts, als das Leben noch analog stattfand und Sinnlichkeit größter Intensität bot, auch Exzess, Orgien gar. Aber im nostalgischen Blick zurück ist die Zukunft nicht zu bewältigen, wenngleich sie ohne historische Bodenbildung auch keinen Bestand hat. Wir müssen eben schauen, dass die Wehmut nicht überhandnimmt, dass die Dinge in einer gewissen Balance bleiben. Zugegeben: Je älter man wird, desto schwerer fällt es, das mentale Gleichgewicht zu halten. Man muss dosieren, hier und dort.

Als ich, vor vielen Jahren schon, sowohl Freunden als auch Bekannten beibringen musste, dass ich bereits kurz nach Handy-Einführung diese Kommunikationstechnik entsorgte, erntete ich ungläubiges Staunen. Ein Journalist ohne permanenten Zugriff auf News – unvorstellbar. Doch sich auf die laufend entwickelnden Smartphone-Vorzüge einzulassen, von 2007 an von Apple als iPhone in Umlauf gebracht, bedeutet eben auch, sich zum Sklaven digital gefilterten Lebens machen zu lassen. Suchtgefahr inklusive.

Da wird auf Teufel komm raus gewischt und getippt, als müsse die ohnehin zur Oberflächlichkeit neigende Gesellschaft noch schneller gemacht werden. Nur keinen Gedanken keimen lassen. Im Geschwindigkeitsrausch geht dann leider manches verloren; Sensibilität, Achtsamkeit, Respekt – und im flüchtigen Gegenzug, grausam, gedeihen Hass und Schwachsinn.

Auch in der Judikatur. Ich denke an die richterliche Praxis im Falle der übel diffamierten Renate Künast, Opfer in den sogenannten Sozialen Netzwerken (»Drecksfotze«, »Stück Scheiße«). Die bekannte Bundestagsabgeordnete wurde obendrein Opfer eines Berliner Landgericht-Richters, der im vergangenen September, absurd, die Meinungsfreiheit für derartige Beleidigungen gelten lassen wollte.

Was das alles mit meiner Smartphone-Verweigerung, meinem klassischen Papier-Terminbuch oder der Telefon-Kontakt-Arbeit über die Verlagszentrale zu tun hat, mit der Tätigkeit im Kunstbetrieb? Viel, so meine ich. Weil Zeit bleibt, Wesentliches zu erörtern, Grundsätzliches zu beleuchten. War es denn nicht früher so, dass wir porentief den Geheimnissen des Lebens und der Kunst auf der Spur waren (»Gott und die Welt«, unser Thema), dass wir forschen konnten, aus der allmählich gewachsenen Erkenntnis das Neue formulierten?

Nun twittern, netflixen und instagrammen auch große Teile der Künstler und Vermittler, und ich sehe mit Sorge, wie sich die drängenden Fragen der Zeit nach dem vor etwa 30 Jahren gepredigten Untergang der Utopien in einem zunehmenden Populismus auflösen. Auf der Bühne: Mario Barth vor Lisa Eckhart, Dieter Nuhr oder Urban Priol – leider. In der Kunst: Die »Love«-Deko-Artistin Mia Florentine Weiss auf der Beliebtheitsskala insbesondere der Prominenz vor Künstlern wie Christoph Büchel, Karin Sander oder Andreas Slominski. Das Leichtgewichtige, das Gefällige, auch das Epigonale – ja, bedauerlich, sie sind auf dem Siegeszug. Ich weiß: Mit Handy-Animositäten allein ist das Problem nicht zu lösen. Aber die Zeit-Bremse treten, das kann jeder an seinem Platz. Zugunsten des Tiefgangs.

In dieser Ausgabe: Barberini ist verankert, aber Hasso Plattner droht mit Abwanderung (Seite 3). Gekommen, um zu bleiben: Peter Weibel, ZKM (Seite 4). Von Leipzig nach Linz: Alfred Weidinger (Seite 7). Gunter Demnig und 75 000 Stolpersteine (Seite 9). Im Sicherheitsvisier: Bayerische Staatsgemäldesammlungen (Seite 10). Hundert Aufführungen von Yasmina Rezas »Kunst« (Seite 11). Aus für Cornelius Tittel und Springers Magazin »Blau« (Seite 13). Ranking mit Schwabenzirkel: »Top 200 Collectors« (Seite 14). Kein Spaten für Berlins Museumsgeneral Michael Eissenhauer (Seite 15). Trauerarbeit in der Hamburger Kunsthalle (Seite 15). Thema Staatshaftung für Museen (Seite 17). Fragwürdige Entscheidung bei Sotheby’s (Seite 19). Impressum (Seite 25). 

Informationsdienst KUNST 692 – Editorial

Informationsdienst KUNST 692

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, seit Wochen liegen zwei von Philipp Ruch verfasste Bücher ungelesen auf dem Schreibtisch, darunter »Schluss mit der Geduld«, und allmählich frage ich mich, warum mir die Lust zur tieferen Auseinandersetzung fehlt. Als ich die Bände erwarb, schien es mir unumgänglich, endlich genau zu wissen, was jenes von Ruch gegründete Zentrum für Politische Schönheit treibt, was es bewirken will. Zumal es angeblich um kompromisslose Demokratie und radikale Aktionen zugunsten der Menschenrechte geht, so der promovierte Philosoph, ist man eben grundsätzlich geneigt, sich auf die Handlungen der Gruppe einzulassen. Nicht zuletzt auch dank des Engagements gegen die zunehmenden politischen Rechtsaußenspieler. So weit, so gut.

Doch in jüngster Zeit drängen sich Ruch-Äußerungen in die Erinnerungen, die zunächst unverdächtig waren, rundum durchaus Zustimmung erfuhren (beispielsweise »Das Material des Aktionskünstlers ist die Gesellschaft«). Nun aber, die täglichen Nachrichten über das Zentrum für Politische Schönheit zeugen von einem ausgeprägten Hang zum Populismus (den Philipp Ruch und seine Gefährten anderen vorwerfen), nimmt das langfristige Interesse an diesem speziellen Instant-Aktionismus rasant ab.

Was unter dem Schutzmantel der Kunst effektvoll im öffentlichen Raum inszeniert wird, ist weniger Aufklärung, wie man sie von intelligenten Menschen erwarten würde, sondern das durchschaubare Geplänkel mit Grenzüberschreitungen. Dabei schreckt das Ruch-Theater seit kurzem vor nichts mehr zurück, wie ich meine. Selbst die Totenruhe ist nicht heilig. Äußerst befremdlich, wie der gerne spätpubertär mit Kriegsbemalung auftretende Ruch vor dem Reichstag in Berlin effektvoll eine Warenästhetik-Stele platzierte, in der angeblich die Asche von in Auschwitz ermordeten Juden aufbewahrt war. Späßchen mit dem Holocaust? Ja, geht’s noch; völlig übergeschnappt, Herr Doktor?

Dem berechtigten Protest jüdischer Persönlichkeiten und Einrichtungen folgte prompt eine medienwirksame Entschuldigung aus dem Zentrum für Politische Schönheit, um schon wieder zur nächsten Tat zu schreiten. Grabschändung im Saarland und anschließende Inszenierung der Beute vor der CDU-Zentrale in Berlin, stand auf dem Programm. »Schluss mit der Geduld«: Man kommt nicht mehr umhin, auch ohne Lektüre der Ruch-Pamphlete, das alles ebenso abstoßend wie spekulativ zu finden. Provokation, der Provokation halber. Eine künstlerische Strategie auf unterstem Level. Insofern zeitgemäß, siehe Maurizio Cattelan (Seite 13 dieser Ausgabe), siehe Takashi Murakami (»Die Welt« vom 11. Dezember).

P.S.: Die nächste Branchenbrief-Ausgabe Informationsdienst KUNST erscheint am Donnerstag, 9. Januar 2020.

In dieser Ausgabe: Neue Museumspolitik in Italien (Seite 6). Umstrittenes Novum: Turner-Preis für ein Quartett aus Solisten (Seite 6). Andreas Henning als Direktor im Museum Wiesbaden (Seite 10). Ein Experiment in der Städtischen Galerie Wolfsburg (Seite 11). Museum des 20. Jahrhunderts: Hermann Parzingers Kehrtwende (Seite 14). Umfrage zum Galerien-Standort Berlin (Seite 14). Köln: Zeitplan für Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums (Seite 17). Paris: Fondation Giacometti will sich vergrößern (Seite 17). Katharina Grosse als »Vogue«-Model (Seite 17). Sammlung Zander verlässt Bönnigheim (Seite 20). Weihnachtswunsch: Frank Auerbach in Berlin (Seite 20). Preis-Check: Karla Black (Seite 23). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 691 – Editorial

Informationsdienst KUNST 691

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, in diesen Jahresendwochen, zum Beginn der Adventszeit, möchte man gerne erfreuliche Nachrichten verbreiten und kommentieren. Aber wie soll’s machbar sein, wenn die Flut unsäglicher News nicht nachlässt, wenn unsere Branche laufend neu attackiert wird. Als seien die Widerstände für den Kunsthandel in Deutschland nicht groß genug, weil unsere eigenen Politiker null Ahnung vom Geschäft der Galeristen haben, kommen nun weitere Erschwernisse hinzu. Die Trump-Regierung, die mit ihren Strafzöllen weltweit Chaos anrichtet, verschont zwar immer noch die Auto-Industrie, doch ausgerechnet die im Vergleich unbedeutende, ohnehin stark gebeutelte Kunstszene muss seit kurzem mit einer zusätzlichen Benachteiligung rechnen. Deutschland als Standort des Kunsthandels – allmählich nur noch eine Farce. Und dazu weder aus dem Bundeswirtschaftsministerium noch aus dem Bundeskanzleramt, wo Staatsministerin Monika Grütters für Kultur zuständig ist, irgendein brauchbares Statement. Ja, man darf sich fragen, ob man dort überhaupt weiß, was Sache ist.

Sache, Strafzollsache ist, dass beispielsweise Fotografien und Lithografien, die in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland entstanden sind, von der US-Zollbehörde beim Grenzübertritt von Deutschland in die USA mit Gebühren belegt werden, die zu den bislang ohnehin üblichen hinzukommen. Dabei bleibt es offenbar der Willkür der amerikanischen Zöllner überlassen, ob sie im Bereich der Druckgrafik streng nur die explizit erwähnten Lithos belasten – oder auch Radierungen, Holzschnitte oder Siebdrucke.

Der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), der zur Zeit bemüht ist, Klarheit in der teils nebulös anmutenden Regelung zu erhalten, wundert sich nicht nur über diese unpräzise Verordnung, sondern auch über die Tatsache, dass die neuen, seit rund sechs Wochen gültigen Strafzölle für Deutschland und Großbritannien gelten, nicht für andere EU-Staaten.

Dabei scheint der amerikanische Präsident, der mit seinem Strafzoll-Hobby die internationalen Märkte irritiert, ein Verfahren auf deutsche und englische Verhältnisse zu übertragen, das er länger schon in Bezug auf China praktizieren lässt. Unabhängig vom Ort des Versands werden Strafzölle für Kultur-Produkte aus China fällig, und so macht es für einen deutschen Kunsthändler nun auch keinen Sinn, ein deutsches Kunstwerk etwa über Paris nach New York zu schicken. Was Trump und seine Handlanger freilich übersehen, ist die Folge, dass sie nicht nur den betroffenen Staaten schaden, sondern auch sich selbst.

Die deutsche Botschaft in Washington, so weiß der BVDG, empfiehlt in diesen Woche allen Importeuren, ihre US-Kunden zu animieren, vor Ort auf die amerikanischen Politiker einzuwirken, ihnen zu vermitteln, dass die USA jetzt schon Nachteile hinnehmen müssen, weil beispielsweise die Chinesen weniger Antiquitäten und Kunstwerke nach Amerika verkaufen. Eine ähnliche Entwicklung dürfte sich im Austausch zwischen Deutschland und den USA einstellen, wenn Trump, der Unberechenbare, das absurde, indirekte Embargo nicht zeitnah zurücknimmt. Per Weihnachtsbotschaft etwa, um eine elegante Lösung zu bieten, um nicht wie ein Kulturbanause herumzustehen.

In dieser Ausgabe: Berliner Spatenstich für das Museum des 20. Jahrhunderts als reines Showprogramm (Seite 5). Biennale-Bilanz in Venedig: Besucherschwund (Seite 8). Karatschi: Willkürakt im Biennale-Kontext (Seite 11). Wo Okwui Enwezors letztes Ausstellungskonzept verwirklicht wird (Seite 12). Wie Museen auf den Einbruch ins Grüne Gewölbe reagieren wollen (Seite 14). Was Dresden bei der Bewerbung in Sachen Kulturhauptstadt Europas 2025 schaden könnte (Seite 15). Bremen: Ein Euro pro zehn Minuten Museum (Seite 16). Wuppertal: Nun kommt Roland Mönig (Seite 17). Unbegründeter Protest gegen Florian Pronold als Bauakademie-Gründungsdirektor (Seite 21). Preis-Check: Tom Sachs (Seite 23). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 690 – Editorial

Informationsdienst KUNST 690

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, natürlich konnte die Strategie nicht greifen, von 130 auf 200 und dann, noch vor dem ersten Spatenstich, auf 450 Millionen Euro zu kommen, um das Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin politisch durchzusetzen und bauen zu können. Die riskante Kalkulation, die für viele Insider immer noch nicht stimmt, weil längst Humboldt-Forum-Kosten-Dimensionen gemunkelt werden, diente offenbar dazu, die Bundestagsabgeordneten für das Projekt zu begeistern und jetzt, per Haushaltsausschuss, bei Fortsetzungslaune zu halten. Staatsministerin Monika Grütters (BKM) kann nach dem Plazet vom vergangenen Donnerstag zwar erst mal aufatmen – und am 3. Dezember den ersten Spatenstich machen. Doch das Procedere um das Museum, das »Grüttoleum«, wie schon gelästert wird, wirft ein Licht auf einen zunehmend abstoßenden Kulturbetrieb, in dem viel schiefläuft.

In Bezug auf das Museum des 20. Jahrhunderts wurde massiv (Standort-)Druck erzeugt, in dem auf die drei Privatsammlungen Pietzsch, Marx und Marzona verwiesen wurde, die dann im Zuge des Verfahrens plötzlich gar nicht mehr wichtig waren. Sie wurden nicht informiert, bevor mit Gerhard Richter verhandelt wurde. Ihre Schenkungen wurden im Kontext der vorgesehenen Gesamtpräsentation zugunsten der Nationalgalerie-Sammlungsbestände heruntergespielt, und in einem Fall wurde ein Sammler plötzlich noch nicht einmal mehr erwähnt. Diese auf der Achse BKM/Preußenstiftung wahrzunehmenden Versäumnisse und Gemeinheiten haben zwangsläufig die Aufmerksamkeit geschärft, den Widerstand gegen den »Scheunen«-Entwurf von Herzog & de Meuron tüchtig geschürt. Wundern darf sich niemand, weder Grütters noch Stiftungschef Hermann Parzinger.

Und so trumpft auch prompt der Miesepeter vom Dienst, der im Wettbewerb nicht zum Zuge gekommene Architekt Stephan Braunfels, mit Illustrationen auf, die beweisen sollen, dass es am Kulturforum grausig zugehen würde, käme der Gewinner-Entwurf zur Verwirklichung. Er sieht eine städtebauliche Katastrophe auf Berlin zurollen, nicht zuletzt wegen der gestörten Sicht-Beziehungen zwischen Nationalgalerie und Philharmonie. Was Wunder, dass angesichts solcher vernichtenden Kritik, mittlerweile auch von Stimmen aus den Lagern Marx und Marzona begleitet, die lieber weiter konzipieren lassen würden, das Aus gefordert wird. In der »Zeit« vom 7. November 2019 ist die Headline zu finden: »Stoppt das Museum der Moderne!«

Prestigeträchtig sei es, unsinnig zudem, es würde den Geltungsdrang von Museumsdirektoren und Kulturpolitikern befriedigen. Aber Berlin brauche kein Mega-Museum, es brauche gute Kuratoren, Geld für wichtige Neuankäufe und kluge Ausstellungen, so Hanno Rauterberg, der stellvertretende Feuilleton-Chef. Dabei kommen ihm freilich allerlei falsche oder unzulängliche Fakten in die Argumentation. Warum das 20. Jahrhundert in Berlin bevorzugt werde, fragt er und rechnet Quadratmeter für die Gegenwartskunst zusammen, ohne im Blick in die Zukunft sehen zu wollen, dass die Rieckhallen des Hamburger Bahnhofs in spätestens zwei Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen werden, dass also sehr wohl Ausstellungsfläche vonnöten ist.

Das haben selbstverständlich auch unterschiedlichste Prominente in den vergangenen zwei Wochen, kurz vor der Haushaltsausschuss-Sitzung, in ihren Plädoyers betont. Und man durfte staunen, dass nicht nur die Vorsitzende der Nationalgalerie-Freunde, Gabriele Quandt, zu Wort kam, was ja durchaus naheliegend ist, sondern auch Außenstehende. Carsten Brosda zum Beispiel, der Hamburger (SPD-)Kultursenator (siehe »Tagesspiegel«, 9. November), womöglich zur Einstimmung der Sozialdemokraten im Haushaltsausschuss. Oder Glenn Lowry, der MoMA-Direktor (siehe »Tagesspiegel«, 5. November), der wohl die übrigen Zweifler beruhigen sollte. Eine Kampagne auf der »Tagesspiegel«-Schiene, die direkt in die Staatlichen Museen und ins Kanzleramt/BKM führt? Einträchtig, gewinnbringend für alle Seiten? Vermutlich.

In dieser Ausgabe: Akt der Zensur in Shanghai, in der Centre Pompidou-Filiale (Seite 6). In Berlin muss sich Martin Eder vor Gericht gegen Plagiatsvorwurf wehren (Seite 7). Bonn: Bundeskunsthalle-Intendant Rein Wolfs zieht Bilanz (Seite 9). Dresden: Penck-Schau ohne Michael Werner (Seite 10). Berlin: Vier Stunden im Hamburger Bahnhof (Seite 11). Fragwürdige Forderung von Magnus Resch und Stefan Heidenreich: Schluss mit dem Unikat-Kult (Seite 13). Gurlitt-Erbe: Manet-Verkauf (Seite 15). Heinz Peter Schwerfel bereitet das Kino der Kunst vor (Seite 17). Susanne Gaensheimer verzichtet auf das Schmela Haus (Seite 19). Heinz Mack im Zwielicht (Seite 21). Preis-Check: Wade Guyton (Seite 23). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 689 – Editorial

Informationsdienst KUNST 689

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, im Strudel der großen Skandale und der kleinen Affären, ob in der Kulturpolitik oder im Marktgeschehen, bemerkt man zunehmend eine allgemeine Hinwendung zum Grundsätzlichen, zur Strukturanalyse. Eine solche vom Überblick geprägte Entwicklung, die in anderen Branchen bisweilen fehlt, weil im Gezerre und Gezänk der Betroffenen, der Lobbyisten und der Parteien viel untergeht, ist eigentlich zu begrüßen. Doch mir scheint, Selbstkritik inklusive, dass im Kunstbetrieb zugunsten des Betriebs eine Vernachlässigung der Kunst selbst stattfindet. Viel zu selten sinnieren wir alle über bildnerische Qualität, über Kriterien, die der zentrale Gegenstand erfüllen muss. Scheute sich einst nahezu jeder in der Branche, von der »Ware« zu sprechen oder zu schreiben, weil eben nur das Wahre zählte, ist es heutzutage längst selbstverständlich, dass Künstlernamen wie Aktientitel erwähnt werden.

Kunst als Kapitalanlage – das Thema flutscht und huscht auch in der digitalen Kommunikation so selbstverständlich herum, als wäre man im Immobiliengeschäft oder im Goldhandel tätig. In der vergangenen Woche wollte ein Multiple-Sammler wissen, ob jene rund 600 Euro, die er kürzlich für eine Beuys-Vorzugsausgabe hingeblättert hatte, auch wertsteigernd angelegt seien.

Meist geht’s freilich um große Scheine, um Millionen-Investitionen. Und natürlich haben alle Insider, mehr oder weniger heimlich, wieder das »Capital«-November-Heft auf dem Schreibtisch liegen, wo Willi Bongards längst überholte »Kunstkompass«-Erfindung, von seiner Witwe Linde Rohr-Bongard unbeirrt fortgeführt, erneut der Orientierung dient, obgleich in allen Small-Talks so getan wird, als ignoriere man den Ranking-Blödsinn. Doch dort, wo Platzierung und Punktzuwachs helfen, beispielsweise Verkaufsargumente zu formulieren, da wird dann fleißig zitiert. Unter den Stars von morgen, so heißt es, »haben Sie’s gesehen«, diesmal auf Position eins der Löwen-Gewinner von Venedig, Arthur Jafa. Und ja, »jetzt kommen endlich die Frauen«: Hito Steyerl (siehe Seite 6) auf zwei, Adrian Piper auf drei, die Eisenman auf sechs. Natürlich Yayoi Kusama, Cao Fei und Laure Prouvost auch vorn. Komisch freilich, wenn obendrein Richard Long (Rang 18), Alex Katz (21) und James Turrell (22), Altmeister allesamt, ebenfalls auf der Liste der »Stars von morgen« landen. Sind sie nicht Stars von gestern oder heute?

Solche und andere Fragen dieser Art zu erörtern und zu beantworten, lenkt ab, und ich denke oft, dass die Branche froh ist, sich an diesen Merkwürdigkeiten und Unzulänglichkeiten abarbeiten zu können. Denn sonst würde unsere Kunst-Familie doch rasch ans Eingemachte kommen, den Früchten der eigenen Betriebsamkeit auf den Grund gehen müssen.

Was zeichnet Jafas oder Steyerls Arbeit aus? Wo ist die Substanz im Kusama-Werk oder im Land-Art-Konzept von Long? Wie kommt es, dass Katz auf den Spuren der Pop Art diesen Erfolg hat, und wie kann es sein, dass das Weibliche in seiner Flachware derart platt zelebriert wird? Wo sind sie, die Feministinnen, die diese Bilder und die sich dahinter verbergende Haltung entlarven? Überhaupt: Was muss Kunst heute leisten? Muss sie politisch oder allemal ökologisch verantwortlich agieren? Ist es ihre Aufgabe, sich zum Zeitgeschehen zu äußern? Kontext-Debatte & Co.? Oder darf Kunst auch schichtweg Kunst, also frei sein? Und wie könnte diese Freiheit aussehen? Wäre sie nicht sofort angreifbar, disqualifiziert als l’art pour l’art, quasi ewiggestrig und keiner weiteren Auseinandersetzung wert?

Andererseits, so meine ich, ist es enorm auffällig, wie die Zahl der künstlerischen Positionen wächst, die sich durch eine glasklare, unmissverständliche, auch plakativ inszenierte Botschaft auszeichnen. Ich frage mich angesichts solcher Bilder, Skulpturen oder Installationen, warum sie überhaupt gemacht werden mussten, ob es nicht ressourcensparend gewesen wäre, ein entsprechendes Plädoyer oder eine Kampfschrift zu verbreiten.

Ja, ich räume es ein: Nach wie vor sehe ich auf meinen Reisen durch die Kunstwelt viel Illustration, folglich immer weniger Werke, die vom mentalen Aufbruch nach vorn künden. Statt forschende Aktion reichlich Re-Aktion, eben auch jenes fatale Hecheln, immer der Nachrichten-Lage hinterher. Gegen Krieg und Zerstörung, für Menschlichkeit und Nachhaltigkeit – alles ehrenvoll und doch zugleich fragwürdig. Werden wir unserer Enkel-Generation nicht eines Tages beichten müssen, dass wir es im Sog einer zeitgeistigen Arbeit in den Ateliers völlig verpennt haben, neue Weichen zu stellen: Chance 3000, Kunst für morgen?!

In dieser Ausgabe: Zweigstelle für die Albertina in Wien (Seite 2). Erneuter Direktionswechsel bei Sotheby‘s (Seite 4). Übersehen worden: Der Sammler Egidio Marzona, Berlin (Seite 6). Der Jugend eine Chance: Museumsdirektor Andreas Beitin, Wolfsburg (Seite 8). Paris: Bei Leonardo im Louvre (Seite 8). Frankfurt: Bei Van Gogh im Städel (Seite 10). Provenienz im Nebel: Grisebach und die Sander-Porträts (Seite 11). Übel nachgetreten: Wolfgang Joop und der Undank (Seite 13). Digitaler Wandel und Kunst-Versicherer (Seite 14). Politische Motivation und die Manifesta in Marseille (Seite 18). Preis-Check: Raphaela Vogel (Seite 22). Impressum (Seite 25). 

Informationsdienst KUNST 688 – Editorial

Informationsdienst KUNST 688

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, wenn man mit Galeristen laufend im Gespräch ist, abseits der Glamour- oder Smalltalk-Abende lieber in kleinster Runde die wahren Probleme der Branche erörtert, dann kommt man nicht mehr umhin, jeden dieser immer noch in Deutschland tätigen Vermittler zu bewundern. Sie leisten dank der von ihnen bespielten Räume und auf den längst unumgänglichen Messen nicht nur reichlich Bildungsarbeit für die Allgemeinheit, und sie dienen nicht nur als engagierte Förderer des bildenden Nachwuchses auf dem Weg von der Akademie zur Selbständigkeit.

Diese Karriereschmiede, die bisweilen hilflos zusehen müssen, wie ihre besten Künstler von den fünf oder sechs internationalen Großgalerien abgeworben werden, plagen sich zudem mit einer Reihe von Widrigkeiten, die allein im europäischen Mitbewerber-Markt zu ungeheuren Verzerrungen führen, zu einer Benachteiligung mittlerweile unanständiger Art. Denn es ist doch so, dass die Politik keinerlei Einsehen hat, was sie dem Kunsthandel gesetzlich angetan hat, teils ohne Not, ohne im Vorfeld gewissenhaft zu prüfen, ob einschränkende, enorm belastende Maßnahmen überhaupt Sinn machen. Skandalös ist das, nichts sonst.

Die Branche leidet seit langem unter einem vollen Mehrwertsteuersatz, über den rundum die Kollegen in anderen europäischen Staaten nur mitleidvoll den Kopf schütteln und auf Kosten ihrer deutschen Freunde eigene Geschäfte machen können. Es geht weiter bei der Einfuhrumsatzsteuer, die in Deutschland ebenfalls höher als andernorts ist, was allerlei negative Auswirkungen für den Handel hat. Und natürlich denkt man an den unangemessenen Verwaltungsaufwand durch die Umsetzung des übereifrig lancierten Kulturgutschutzgesetzes, und der Referenten-Entwurf in Sachen Geldwäsche, der verfassungsrechtlich überaus bedenklich wirkt, ist ein weiteres Dokument einer Politik, die fehlgeleitet erscheint. Galeristen als Spitzel des Bundesfinanzministeriums, das windige Procedere vornehm unter dem Begriff einer Identitätsprüfpflicht kaschiert – ja, geht’s noch?

Froschschenkel sieben Prozent Mehrwertsteuer, Kunst dagegen 19, Verwaltungsschikanen zuhauf, obendrein Folgerecht, Künstlersozialkasse, Künstleranteil, häufig Beteiligung an den Produktionskosten, zwangsläufig die Finanzierung der eigenen Infrastruktur – was soll dem Galeristen da bleiben, wovon soll er selbst leben? Hat das eigentlich mal jemand ausgerechnet – im Bundeskanzleramt, im Scholzministerium? Immer noch alle auf dem Holzweg unterwegs, dass Galeristen im Geld schwimmen, nur weil Johann König in Tokio ein Schaufenster plant (siehe Seite 8) oder Esther Schipper nun im derzeit sehr angesagten Paris eine Duftmarke setzen will? Muss man der Politik neue Zahlen servieren? Hat noch niemand vernommen, dass allein in Berlin in den vergangenen Jahren rund 100 Galerien dichtmachen mussten? Will keiner die Zahlen sehen, die der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler sowie die Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel zur Verfügung stellen können?

Vielleicht ist auch die Branche selbst schuld an der Fehleinschätzung, dass hierzulande im Kunsthandel fiskalisch viel abgeschöpft werden kann, obwohl die meisten Galerien kaum wissen, wie sie Monat für Monat den Betrieb aufrechterhalten sollen. Wenn man jüngst erschienene, jeweils völlig anders orientierte Bücher von und über Helge Achenbach, Johann König und/oder Rudolf Zwirner aufmerksam liest, dann wird dort zwar immer auch mal das eigene Scheitern in der Startphase oder, bei Helge A., viel später eingeräumt, doch zugleich geht’s in diesen Neuerscheinungen um Milliönchen und mehr.

Wenn dann noch die Medien-Berichterstattung zum expansiven Schwarm-Verhalten der Branche hinzukommt, dass Galeristen wie Larry Gagosian, Hauser & Wirth und David Zwirner (der vor Tagen in Paris mit Raymond Pettibon im Marais loslegte) ständig weltweit neue Filialen eröffnen, dann scheint es für den deutschen Behörde-Michel klar zu sein, dass Kunsthändler geschröpft werden müssen. Dabei übersieht er halt, dass kein einziger der wirklich großen Umsatz-Millionäre in Deutschland zu Hause ist. Die sind ja schließlich nicht blöde.

In dieser Ausgabe: Das Haus der Kunst in München bekommt einen neuen künstlerischen Direktor, Andrea Lissoni aus London (Seite 2). Die Hamburger Kunsthalle und ihr Chef Alexander Klar setzen auf Transparenz (Seite 5). Wieder Unruhe bei Sotheby’s: Nach vier Jahren als CEO muss Tad Smith gehen (Seite 7). Bernhard Schulz rechnet mit dem Kritikerverband AICA ab (Seite 8). Istanbuls Messe-Macher Ali Güreli hat sich ins Zwielicht gesetzt (Seite 12). Lisa Marei Schmidt und das Brücke-Museum (Seite 13). 30 Jahre Deichtorhallen und 25 Jahre Sammlung Falckenberg (Seite 18). Berlin: Warum Michael Schultz im Visier der Staatsanwaltschaft ist (Seite 20). Preis-Check: Rune Mields (Seite 21). Impressum (Seite 25). 

Informationsdienst KUNST 687 – Editorial

Informationsdienst KUNST 687

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, es ist ja nicht so, dass man gerne über all die verwunderlichen Entwicklungen berichtet, die sich in den Staatlichen Museen zu Berlin vollziehen. Da liegt so viel im Argen – und es gibt leider immer nur dann einen Moment lang Hoffnung, wenn die Innenrevision mit befremdlichen Vorgängen beschäftigt ist, jemand auf eigenen Wunsch auf eine Vertragsverlängerung verzichtet, wie es dann heißt, oder irgendwo die Denkzettel verteilt werden, mithin der Skandal brodelt.

Ich denke an das Versagen, die Rieckhallen im Hamburger Bahnhof langfristig zu sichern, und natürlich haben die Verantwortlichen auch im Bode-Museum gehörig gepennt. Wie kann es denn sein, dass dort ein ungesichertes Fenster einen Goldmünzen-Diebstahl ermöglicht, der nach meiner Einschätzung am Ende dazu führen wird, dass knapp drei Millionen aus der Stiftungskasse fällig werden? Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Richter das Versicherungsunternehmen verurteilt, mehr als jene ohnehin großzügig zugestandenen 800 000 Euro zahlen zu müssen. Das A und O in jedem Museum: Wo Millionenwerte zu finden sind, muss für Sicherheit gesorgt werden.

Aber der Dilettantismus scheint in Berlin grenzenlos zu sein, und das wird sich auch nicht von heute auf morgen ändern, mag die Staatsministerin, Rechtsaufsicht der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ihren Etat für Öffentlichkeitsarbeit im kommenden Jahr um rund eine Viertelmillion erhöhen. Es geht nämlich längst nicht mehr um Zahnseide, sondern um Wurzelbehandlungen, über den Abschied von Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann hinaus.

Allein was er, der in den vergangenen Wochen von vielen Medien wegen seines bevorstehenden Abgangs hoch Gelobte (mal als von Bord gehender »Kapitän«, mal als »Salz in der Suppe«), zuletzt alles verbockte, das spricht Bände. Unsäglich, wie er Monika Grütters nach Köln schickte, sie ins Messer der Kritik laufen ließ (siehe ID 684, Seite 1), weil keiner der Sammler, die mit dem geplanten Museum des 20. Jahrhunderts in einem Atemzug genannt werden, von Kittelmanns Geheimmission wusste. Natürlich mussten Egidio Marzona, Erich Marx sowie Ulla und Heiner Pietzsch davon ausgehen, dass der Raum für ihre Bilder in diesem Haus massiv beschnitten würde, wenn der Deal mit Gerhard Richter zustande käme.

Ein Kommunikationsdesaster, bezeichnend für den »Kapitän«, der gut daran tut, das Schiff zu verlassen und künftig nur noch als Kurator, Juror, Autor, Redner und Berater für die freie Kunstwirtschaft zu arbeiten, was er ja seit Jahren mehr oder weniger hauptberuflich ohnehin schon macht. Gottlob konnte er sich auf hervorragende Museumsleute in seiner Nähe verlassen, ob Joachim Jäger oder Gabriele Knapstein, die stets wussten, was zu tun ist. Sie werden nun auch, wenn der Richter-Plan nicht doch noch scheitert, was wirklich kein Drama wäre, eintüten oder auslöffeln müssen, was der Nationalgalerie-Direktor ausgeheckt hat.

Udo Kittelmann, so meine Recherchen, hat mit Gerhard Richter und seiner Frau Sabine Moritz über eine umfangreiche Dauer-Präsentation von Werken im Museum für das 20. Jahrhundert gesprochen, das zunächst unmissverständlich nur als Sammler-Museum im Dialog mit dem Nationalgalerie-Bestand konzipiert wurde. So und nicht anders wurde das Vorhaben auch den die Mittel bereitstellenden Bundestagsabgeordneten ans Herz gelegt. Die Kurskorrektur mithin als Überraschung, nicht wirklich nachvollziehbar, schon gar nicht kommuniziert. Zur Überlassung soll auch der Birkenau-Zyklus des Malers gehören, für den vorübergehend sogar erörtert wurde, einen zusätzlichen Pavillon zu errichten, was Richter indes ablehnte.

Kittelmann hat folglich mit Herzog & de Meuron am Raumkonzept insofern Veränderungen vorgenommen, als jetzt zusätzlich ein Gerhard-Richter-Saal im Haus vorgesehen ist. Und weil der Künstler, mittlerweile 87 Jahre alt, tüchtig Zeitdruck macht, seine Angelegenheiten zu regeln, soll der scheidende Nationalgalerie-Direktor sogar versprochen haben, bereits vom Jahresende an (!) großzügig Räumlichkeiten im Hamburger Bahnhof bereitzuhalten, wo nun aber ohnehin Platznot herrscht – wegen der Sanierungsarbeiten in Sachen Klimaanlage.

All das dokumentiert aufs Deutlichste, dass der Weitblick fehlt. Ein hervorragender Kurator muss kein Mann fürs Ganze sein, für die Intendanz. Gut also, wenn die Nationalgalerie und ihre Spielstätten von spätestens 2020 an neu dirigiert werden.

In dieser Ausgabe: Von Christo über Eliasson bis Koons – die Kunst im Pariser Stadtraum (Seite 4). Chemnitz oder Dresden oder Zittau – die Sachsen-Städte im Wettbewerb Kulturhauptstadt 2025 (Seite 6). Aachen: Krach um den Kunstpreis für Walid Raad (Seite 8). Berlin: Zittern um den Kulturetat von Monika Grütters (Seite 8). Istanbul: Biennale enttäuscht auf mehreren Ebenen (Seite 11). Was der Brexit für deutsche Galerien in London bedeutet (Seite 13). Was der AICA Kongress in Köln und Berlin brachte (Seite 16). Aufzählung von Rudolf Zwirner, leider reflexionsfrei (Seite 17). Aufgabe der Hypo-Vereinsbank-Sammlung (Seite 18). MCH Gruppe: Ausstieg auch bei der India Art Fair (Seite 20). Emil Nolde und die »Deutschstunde« im Kino (Seite 21). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 686 – Editorial

Informationsdienst KUNST 686

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, natürlich war früher nicht alles besser. Wenn der Kritiker Alexander Leisberg (hinter dem Pseudonym versteckte sich Klaus Jürgen-Fischer) hemdsärmelig schrieb, dass Yves Klein »seinen Stil ohne künstlerische Ausbildung« entwickelt habe, dass sein Werk »dekorativ« zu nennen sei, dann lag er so daneben wie Karl Korn, der »FAZ«-Kritiker und -Herausgeber, der in den Fünfzigern das Feuilleton dieser Tageszeitung aufgebaut hatte. Er könne es nicht zulassen, schrieb er am 30. September 1971 an den Mitarbeiter Georg Jappe, dass die Meinung veröffentlicht werde, »Kunst sei eine moralische Form« geworden, und »daher sei nicht mehr das Werk, sondern ‘die Haltung’ entscheidend«. Jappes Manuskript, dem Werk von Joseph Beuys gewidmet, wurde erst 15 Jahre später in einem von Klaus Staeck herausgegebenen Buch publiziert.

Gewiss ging es vor Jahrzehnten auch ans Eingemachte der Kritiker-Gilde, wenn auf Unabhängigkeit bedachte Journalisten am laufenden Band sehen mussten, wie sich manche Autoren und Redakteure mit aller Macht für Künstler und Kunstrichtungen einsetzten, die ihnen genehm waren. Unvergessen der vor 16 Jahren gestorbene Pierre Restany, der mit größter Überzeugung und gegen jede Vernunft seinen Ruf als kritischer Geist aufs Spiel setzte, weil er sich bedingungslos als Promotor der Gruppe Nouveaux Réalistes einbrachte.

Wie ein PR-Kampagnen-Führer agierte auch der mittlerweile 82-jährige Eduard Beaucamp, der vor allem in den siebziger und achtziger Jahren alles tat, um die Kunst der ehemaligen DDR zu feiern; insbesondere die Malerei von Werner Tübke hatte es ihm angetan. Dabei hätte er als AICA-Mitglied wissen müssen, welche Leistungen von einem Mitglied der weltweit organisierten, elitären Kritiker-Vereinigung erwartet werden, wie groß Nähe und Distanz zu den Künstlern ausfallen müssen, um tatsächlich als Korrektiv zu dienen.

Von solchen Ausnahmen abgesehen, funktionierte das System der kritischen Begleitung bildnerischer Arbeit damals freilich besser als heute. Begnügten sich die Kritiker der alten Schule nicht nur mit der Phänomenologie, sondern trauten sich auch mutig ein Kunsturteil zu, findet man heutzutage überwiegend laue, halbherzige Beschreibungsversuche. Ja, Beschreibungsversuche, denn selten liest man eine Ausstellungsbesprechung, die eine Vorstellung vermittelt, was der Autor wirklich gesehen hat. So passt es letztlich, dass das Wesentliche, die Bewertung nämlich, völlig fehlt. Zeilen-Füllsel oft, knapp gehalten ohnehin, weil wir im Digitalzeitalter leben, keiner mehr Zeit zum Lesen findet.

Und dann, grausig, vermissen ja alle auch die Kriterien. Keiner will sich blamieren, gar mit gestrigen Begriffen aus der Innovationschublade aufwarten, also werden nur Künstlernamen, Galerieverbindungen und Auktionspreise aufgezählt – und dann rasch davon. Kunstkritik war gestern.

Das muss, vereinfacht resümiert, auch die deutsche AICA-Präsidentin Danièle Perrier einräumen, die sich die Herkulesaufgaben aufgehalst hat, vom 1. bis zum 7. Oktober in Köln und Berlin den 52. Weltkongress der Kritiker als Gastgeberin zu bewältigen. Eine schier unlösbare, womöglich auch nicht mehr zeitgemäße Aufgabe, weil sich die klassische Kunstkritik längst zerstäubt hat. Public Relations für Künstler, Galerien und Museen – so lautet jetzt das Motto. Der Kritiker in der Grüß-August-Rolle, als Vorwort-Schreiber und Vernissage-Redner, als Service-Kraft jener Verleger, die ihre Redaktionen verdonnern, so wohlwollend wie möglich auf Anzeigenkunden und ihre Ware beziehungsweise Dienstleistung zu reagieren. Bloß kein Verriss. Und die nachrückende Generation, so räumte auch Perrier kürzlich in einem Telefonat ein, tut sich ohnehin schwer, Kunst in der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand selbst zu beleuchten.

Natürlich ist es politisch korrekt, zumal das Thema nicht nur in der Berliner Luft liegt, wenn die AICA »Kunstkritik in Zeiten von Populismen und Nationalismen« erörtern will. Aber sollte sie nicht einladend fragen, ob es 2019 überhaupt noch eine Kunstkritik gibt? Wer kann denn präzise sehen, Maßstäbe formulieren, sie anwenden und eine Urteilsbegründung schreiben? Es kommt doch nicht von ungefähr, dass die rund um die Uhr auf ihre Handys stierenden Menschen, die sich allesamt als Journalisten verstehen, laufend posieren und posten, auffällig große Ohren haben, wenn man genau hinschaut. Vom Hörensagen stammt folglich auch das vermeintlich Kritische, das manchmal noch gedruckt, lieber aber kostengünstig gesendet wird. Flüchtig wie Teile der Gegenwartskunst selbst. Heute hoch gehandelt, morgen abgeschrieben, fiskalisch und überhaupt.

In dieser Ausgabe: Minuspunkt für Ursula von der Leyen wegen fehlender EU-Kultur-Ressort-Planung (Seite 4). Fragwürdige Stuttgarter Altmeister-Schau nun in Hamburg, von Götz Adriani konzipiert (Seite 5). Möglicher Kittelmann-Nachfolger in Berlin: Joachim Jäger (Seite 8). Maurizio Cattelan und sein Gold-Klo (Seite 9). Nikolaus Hirsch und ein Versäumnis in Hessen (Seite 10). Rik Reinking und das Woods Art Institute (Seite 13). Heile Welt: »Unseen« in Amsterdam (Seite 14). Will den Österreichischen Pavillon der Biennale in Venedig bespielen: Hermann Nitsch (Seite 16). Preis- und Karriere-Check: Hito Steyerl (Seite 21). Comeback für Hans Haacke in New York (Seite 22). AfD-Attacke gegen Monika Grütters im Bundestag (Seite 24). Impressum (Seite 25). 

Informationsdienst KUNST 685 – Editorial

Informationsdienst KUNST 685

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, die Ergebnisse der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen vor Augen, könnte einem Angst und Bange werden, wenn es um die Presse-, Kunst- und Gedankenfreiheit geht. Wenn in manchen Ortschaften mittlerweile um 50 Prozent der Wähler jene Partei bevorzugen, die angetreten ist, »die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen« (Marc Jongen, AfD-Vordenker), die gegen »Auswüchse in der Kunst- und Kulturszene« vorgehen will (Gordon Engler, AfD-Stadtrat, Dresden), dann droht der Bundesrepublik eine Zukunft, die keine ist, die verhindert werden muss. Jeder kann an seinem Platz in der Branche kleine Beiträge leisten, dass die Neue Rechte nicht Zug um Zug plattmacht, was hier in jahrzehntelangem Bemühen um Weltoffenheit und Toleranz aufgebaut wurde. Der »taz«-Autor Michael Bartsch schrieb vor Tagen von der »besonderen Chuzpe«, die in der AfD beispielsweise in Sachsen zum Ausgleich für fehlende Kompetenz zu beobachten sei.

Dass es im Kunstbetrieb am laufenden Band allerlei Ungereimtheiten, teils auch widerliche Machenschaften gibt, wie übrigens in jeder anderen Branche ebenfalls, das lesen Sie Ausgabe für Ausgabe in diesem Branchenbrief. Ich frage mich jetzt freilich, ob wir unserer Aufgabe als Kunstbetriebskritiker weiter gerecht werden können und dürfen, wenn wir durch die Veröffentlichung von Fakten und Meinungen eben auch Gefahr laufen, den zwar demokratisch legitimierten, zugleich aber an den Fundamenten der Demokratie rüttelnden »Heimat«-Verteidigern weitere Argumente zu liefern. Ein Glück, dass der Informationsdienst KUNST keine Publikumszeitschrift ist, so denke ich, sondern ein vertraulicher Dienst für eine weitgehend überschaubare Abonnenten-Familie. Wir sind quasi unter uns, egal, ob wir rot, anders rot, grün, schwarz oder gelb wählen. Und das ist gut so.

Gut ist es auch, wenn ein bekannter TV-Journalist, wie er mir schrieb, seine Recherchen in einer dubiosen Personalsache aus deutschen Museen unterbricht, um zunächst für einen anderen geplanten Beitrag hinter die AfD-Kulissen zu schauen. Denn machen wir uns nichts vor: Letztlich werden in der Politik die Weichen für die Kultur gestellt – und dort keimt jetzt das Unheil. »Die Neue Rechte«, so der Kollege Bartsch, »probt den Durchgriff auf einen Bereich, von dem sie mit sehr wenigen Ausnahmen nicht einmal eine Ahnung hat.« Wenn Jörg Urban, Sachsens AfD-Kopf, vermeintlich generös einräumt, dass man »die Kultur nicht abschaffen« wolle, dann klingelt bei mir der Alarm. Höchststufe. Was geht in diesen Wirrköpfen vor, wenn sie solche Statements geben?

Ich hoffe, Sie haben Verständnis: Eigentlich wollte ich dieses Editorial der bis zum 15. September dauernden Berlin Art Week und den vielen weiteren Initiativen in anderen Großstädten widmen. Ich hatte mir zudem vorgenommen, über das in Bonn, Chemnitz und Wiesbaden sowie später in Hamburg geplante Großprojekt »Jetzt! Junge Malerei in Deutschland« zu berichten, über die immer wieder totgesagte und dann doch stets auferstandene Disziplin zu sinnieren, doch seit dem Wahlsonntag in Brandenburg und Sachsen quält mich der Gedanke, in welcher Welt wir leben, ob dieser jahrzehntelange, auch leidenschaftliche Einsatz für die Kunst überhaupt noch zu verantworten ist, wenn rundum ein politisches Klima gedeiht, in dem die künstlerische Freiheit auf dem Spiel steht. Müssten wir unsere Fähigkeiten, Kenntnisse und insbesondere unsere Zeit nicht anders nutzen? Sollten wir nicht besser das Schlimmste verhindern, nämlich den weiteren Zulauf zu einer Partei, die nicht zu wissen scheint, was sie tut?

In dieser Ausgabe: 150 Jahre Hamburger Kunsthalle und ein neuer Direktor (Seite 5). Zunächst elf Millionen mehr für die Kunst in Berlin (Seite 8). Neuausrichtung im MoMA, New York (Seite 8). Trotz eigener Sicherheitsmängel: Stiftung Preußischer Kulturbesitz klagt gegen Versicherung (Seite 10). Uta Grosenick will die Edition Cantz voranbringen (Seite 12). Ellen Blumenstein als HafenCity-Kuratorin in Hamburg (Seite 13). Heike Kropff als Bildungszentrum-Chefin im Haus Bastian (Seite13). Drei Kunstvereine im Rheinland zum Thema »Maskulinitäten« (Seite 14). Fragwürdiges Engagement: Kunstforum Wien adelt den Fälscher Wolfgang Beltracchi (Seite 17). Unterm Hammer: Der Kaufhof veräußert über Lempertz seine Kunstsammlung (Seite 20). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 684 – Editorial

Informationsdienst KUNST 684

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, diesmal will ich Ihnen eine Recherche nicht vorenthalten, die allerlei sonderbare Wendungen nimmt – und auch in den kommenden Monaten und Jahren noch für Überraschungen sorgen wird, wie ich es einschätze. Ein spezieller Fall von grundsätzlicher Bedeutung, im Kontext von Politik und Museen sowie von Staat und Steuern verortet. Die Story beginnt dort, wo wir im Informationsdienst KUNST 683, datiert vom 8. August, über Gerhard Richter und seine nicht vorhandene Begeisterung für ein Richter-Museum in Köln berichtet hatten, wo wir aber obendrein einen befremdlich erscheinenden Alleingang von Kulturstaatsministerin Monika Grütters kommentierten. Sie war am Donnerstag, 15. August, ohne den Berliner Nationalgalerie-Direktor, Udo Kittelmann, zu Richter nach Köln gefahren, um dort über eine Ladung Richter-Gemälde für das geplante Museum des 20. Jahrhunderts zu verhandeln.

Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich die deutsche Bundesregierung höchstpersönlich um kuratorische Angelegenheiten einzelner Museen kümmert, gar Direktoren-Aufgaben wahrnimmt, konnte ich nichts Anderes vermuten: Hier überschreitet die Staatsministerin ihre Kompetenzen, mischt sich in Aufgaben ein, die gewiss nicht ihre sein können. Obendrein, so hatte ich geschrieben und vor Tagen auch dank eines Telefonats mit dem Sammler Egidio Marzona in Italien bestätigt erhalten, wurden die Sammler Pietzsch, Marx und Marzona von niemandem in Kenntnis gesetzt, dass das bislang für ihre Sammlungen vorgesehene neue Museum nun zusätzlich für Gerhard Richter geöffnet werden soll. Weil Kittelmann zu den drei Herren einen ausgezeichneten persönlichen Kontakt pflegt, konnte das nur bedeuten: Monika Grütters agiert, warum auch immer, an der geschäftsführenden Spitze der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vorbei, ohne Präsident Parzinger, Generaldirektor Eissenhauer und Nationalgalerie-Chef Kittelmann zu informieren.

Nun stellt sich aber überraschend heraus, dass Grütters »auf Bitten von Udo Kittelmann« mit Richter gesprochen habe, wie es ihr Sprecher Hagen Philipp Wolf in einer Verteidigungsemail an mich erläutert. Dass Kittelmann in Köln nicht dabei gewesen sei, habe mit einem Termin des Museumsmannes in Berlin zu tun, nichts sonst. Als wäre kein anderer Atelierbesuch-Termin möglich gewesen, wo Grütters und Kittelmann gemeinsam den seltsamen Richter-Schulterschluss hätten praktizieren können. So drängt sich der Verdacht auf, dass Kittelmanns Nationalgalerie-Preisträger-Auftritt an diesem Tag recht gelegen kam. Denn klar und unbestritten ist mittlerweile, dass eigentlich der Künstler die Staatsministerin antanzen ließ, dass sich Monika Grütters »diesem Gesprächswunsch von Gerhard Richter nicht entziehen konnte« (Wolf).

Der Maler, den Wirtschaftsmagazine auf 500 Millionen Vermögen schätzen, mittlerweile 87 Jahre alt, muss sich Gedanken machen, wie er seine Familie in Sachen Schenkungs- und Erbschaftssteuer entlasten kann, obgleich nahezu alle, die mit dem Vorgang zu tun haben, in diesen Tagen die Nebelmaschine anwerfen. Aber Beispiele gibt es in Deutschland zuhauf, wie die unter Fachleuten genannte »große Kunstbefreiung« zum steuerfreien Vermögensübertrag an die folgende Generation führen kann. Der Erwerb der renommierten Sammlung Ackermans (mit 142 Arbeiten) durch das Land Nordrhein-Westfalen, 2005 und zugunsten der Kunstsammlung NRW, zeigte der Öffentlichkeit aufs Deutlichste, dass Schenkungssteuer mit Kunstwerken beglichen werden kann.

Warum also sollte der gewiefte Gerhard Richter, der schon in den Sechzigern kurzerhand einen Anwalt einschaltete, als ihm der Galerist Heiner Friedrich ein paar Mark schuldete, nicht die Idee verfolgen, auf der Basis der Bundesfinanzhof-Grundsatzentscheidung vom 12. Mai 2016 (II R 56/14, NJW 2016, 2765) das für ihn und seine Ehefrau Sabine nun Vorteilhafte in Anspruch zu nehmen? Das ist legitim und hat nichts mit einem »Vertrauensbeweis« des Malers zu tun, wie Grütters pathetisch verbreiten lässt. Nur weil die Staatsministerin zum Auftakt der offiziellen Gespräche noch keinen Hinweis auf einen ihrerseits zu vermittelnden Steuer-Deal gehört haben will, bedeutet es nicht, dass das Thema vom Tisch ist. Richter, so meine Prognose, wartet auf den richtigen Moment, bis er, aus der Tiefe des Ateliers, unterstützt von einem Geschwader von Anwälten und Steuerexperten, seine Forderungen anmelden wird, wie eine solche »Überlassung« von Kunstwerken für ihn ausfallen soll.

Dann werden sich Grütters und die Museumsleute in Berlin fragen müssen, ob es lohnt, wegen eines solchen Richter-Geschäfts, das das bisherige Museumskonzept irritierend sprengt, sämtliche anderen Partner vor den Kopf zu stoßen. Ich denke an das Ehepaar Pietzsch, an Erich Marx, auch an Egidio Marzona. Und mir fallen etliche Sammler ein, die mit ihren Werken inzwischen andernorts oder anderweitig angedockt haben, weil sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht wirklich für sie interessierte, darunter Erika Hoffmann, Paul Maenz, Alexander Schröder und Michael Werner. Auf den Punkt gebracht: Der ohnehin miserabel eingeleitete und kommunizierte Vorgang sagt viel über Kultur- und Steuerpolitik in Deutschland, auch über einen Hang zur Intransparenz, obgleich dieser Staat doch laufend so tut, als gehe es ihm vor allem um Durchsichtigkeit. Mit Verlaub: Wenn die Bundesregierung im Jahr weit über 300 Millionen Euro für externe Beratungsfirmen ausgibt, dann könnte sie sich endlich auch mal den notwendigen Sachverstand leisten, um Licht in solche Transaktionen zu bringen.

In dieser Ausgabe: Weltkongress der Kunstkritiker-Vereinigung AICA in Köln und in Berlin (Seite 4). Von Florenz nach Wien: Uffizien-Chef Eike Schmidt zieht Bilanz (Seite 6). Abrechnung mit Ai Weiwei (Seite 7). Kompromiss mit Fürstenhaus Hohenzollern (Seite 9). Italienische Machtspiele: Rauswurf für Cecilie Hollberg (Seite 9). Amerikanische Arroganz: Guggenheim-Chef Richard Armstrong gegen Gewerkschaft (Seite 11). Albertina-Dependance womöglich in Köln (Seite 12). Hessens Kunstministerin Angela Dorn und die documenta (Seite 14). »Cicero« und die AfD (Seite 14). Erfolg in Südkorea: ZERO foundation auf Tournee (Seite 16). Schwächeln in Sachen Internationalität: art berlin (Seite 18). Nun auch noch ein Flohmarkt: Kunsthalle Rostock (Seite 21). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 683 – Editorial

Informationsdienst KUNST 683

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, wenn man über ein Jahrzehnt lang in Hamburg gelebt hat, dann weiß man, wie die Hanseaten ticken. Sie können vornehm und zurückhaltend sein, ihre Diskretion bis an die Schmerzgrenze des Zumutbaren treiben – und dabei doch einen ausgeprägten Hang zum Gerücht hinter selbstverständlich fein vorgehaltener Hand entwickeln. Was da so alles kolportiert wird. Wer da was gesagt oder wenigstens gedacht haben soll. Und wo und wie und warum. Einfach irre. Allein jene Munkeleien, die mir in den vergangenen Wochen laufend zugetragen wurden: Absurder geht’s nimmer.

Mal heißt es, Tim Sommer, der »Art«-Chefredakteur, würde von 2021 oder 2022 an, wenn Gruner + Jahr das neue, von Caruso St. John entworfene Verlagsgebäude im Lohsepark und somit in der Hafencity bezieht, als Kurator eine rund 1 500 Quadratmeter große Kunsthallenfläche bespielen (Sommer auf Anfrage: »Ein lustiges Gerücht; aber den Ausstellungsbereich wird die Stadt Hamburg betreiben«). Mal will jemand wissen, dass die Hansestadt, kaum zu glauben, die Sammlung Falckenberg erwerben würde, die bis 2023 (bis zum 80. Geburtstag des Leihgebers), aber gegebenenfalls auch darüber hinaus vertraglich festgezurrt ist, was den in Sachen Kunst mächtigsten Hamburger, Jurist von Haus aus, aber nicht hindert, auch mal was in Auktionen zu geben.

Mitten im Thema: Als kürzlich bekannt wurde, dass Harald Falckenberg zwei seiner etwa knapp 2 500 Arbeiten versteigern ließ, einen Albert Oehlen, einen Richard Prince, und dabei Millionen-Erlöse erzielte, dürften die rein rechnerisch hellwachen Hanseaten kapiert haben, dass sie sich die in den Deichtorhallen, in den Phoenix-Hallen in Harburg sowie in einem Depot in Flughafen-Nähe untergebrachte Sammlung niemals leisten können. Wer in der Branche weiß, was Falckenberg, der Unternehmer, in den vergangenen 25 Jahren zusammengetragen hat, wer ihn, wie ich selbst, von Anfang an in seiner Leidenschaft für die Kunst begleitet hat, der ahnt, dass dieser Schatz insgesamt 300 bis 450 Millionen wert sein dürfte.

Sollte zudem, was seitens der Kulturbehörde wohl erörtert wird (obgleich man dort diesbezüglich mehr oder weniger nichts Konkretes sagt, eher auf Indiskretionen setzt, die dann das »Abendblatt« gerne veröffentlicht), in Harburg tatsächlich baulich investiert werden müssen, dann käme, alles in allem, rasch eine knappe halbe Milliarde Euro zusammen. Bedenkt man, dass der komplette Kultur-Etat des zuständigen Senators Carsten Brosda, SPD, zugleich per Vorsitz der Kulturminister-Konferenz bundespolitisch ambitioniert, für 2018 gerade mal nur 326 Millionen betragen hat, dann ahnt man, dass von einem Erwerb wirklich nicht die Rede sein kann, allenfalls von einem Teilerwerb. Aber was und wie? Und würde Falckenberg selbst denn dabei mitmachen, zumal er seine vier Kinder und die auch in Sachen Sammlung überaus engagierte Lebensgefährtin zu seinen Erben zählt?

Von mir nach dem Stand der Dinge befragt, bleibt der Harald, der sonst kein Blatt vor den Mund nimmt, obwohl er in Hamburg geboren wurde, eigenartig einsilbig, eben hanseatisch. Vielleicht wegen des vereinbarten Stillschweigens der Vertragspartner. Dabei räumt auf offizielle Anfrage an die Kulturbehörde sogar Pressereferentin Anja Bornhöft ein, dass »auf Wunsch von Harald Falckenberg die Gespräche wieder aufgenommen wurden«. Die Behörde sei daran interessiert, »die bedeutende Kunstsammlung für Hamburg zu sichern«. Ergo: Sollte der Sammler einen Teil an Hamburg verkaufen, wie groß wäre er dann? Und würde es zudem eine Schenkung geben, wie sie Falckenberg früher schon gemacht hat, etwa an die Kunsthalle? Was passiert mit dem Rest? Wie Oehlen und Prince in eines der großen Auktionshäuser, um die späteren Erben schon vorzeitig zu erfreuen? Alles in allem bleibt der Verdacht, dass diese einzigartige Sammlung vor ihrer Zerschlagung steht.

Zur Erinnerung: Eng und vertraglich verbunden sind die Hansestadt und der Privatmann Falckenberg seit dem August 2010, als sie miteinander den nun laufenden Kooperationsvertrag zur Dauerleihgabe der Sammlung zugunsten der Deichtorhallen und der Öffentlichkeit schlossen. Für Hamburg bedeutet er, dass die Stadt jährlich 570 000 Euro beisteuern muss, im Notfall eher etwas mehr, dafür im Gegenzug aber über eine der besten Kollektionen von Gegenwartskunst verfügen kann. Ob Werke der Sammlung künftig auch in der neuen »Kunsthalle« im Hause Gruner + Jahr gezeigt werden dürften, ob das sinnvoll wäre, lässt sich zwar zur Stunde nicht ermitteln, doch in Bewegung ist viel, sehr viel, vor der nächsten Bürgerschaftswahl im Februar 2020. Das zeigt ein Interview, das »Art« in seiner Juli-Ausgabe dreiseitig veröffentlicht hat. Carsten Brosda, der fünfte Kultursenator, seitdem Harald Falckenberg auch für Hamburg sammelt, setzt dort auf das uralte, mittlerweile staubige SPD-Motto einer »Kultur für alle« – und erwähnt mit keinem einzigen Wort die Sammlung Falckenberg, obwohl sie es ist, die Hamburg in Sachen Kunst international macht.

P.S.: Der Informationsdienst KUNST macht alljährlich im August einen Drei-Wochen-Sprung. Die kommende Branchenbrief-Ausgabe erscheint denn am Donnerstag, 29. August.

In dieser Ausgabe: Neue Aufmerksamkeit für die DDR-Kunst in Leipzig und Düsseldorf (Seite 2). Weimar: Der scheidende Klassik-Stiftungschef Hellmut Seemann warnt vor der AfD (Seite 3). Rücktritt von Warren Kanders nach Künstlerprotest in New York (Seite 4). Klagenfurt: Klaus Littmann bereitet Großprojekt »For Forest« vor (Seite 7). Prag: Voreilige Solidarität für Nationalgalerie-Chef Jirí Fajt (Seite 8). Ronald S. Lauder und die Militaria (Seite 10). Neo Rauch und sein »Anbräuner« (Seite 10). Die Empfehlung: Ein »Oberauge« für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Seite 14). Thomas Schütte plant nächsten Spatenstich (Seite 15). Aus aktuellem Anlass: Brandschutz im Museum (Seite 18). Preis-Check: Cindy Sherman (Seite 22). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 682 – Editorial

Informationsdienst KUNST 682

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, vor vielen Jahren lieferten wir uns einen Wettbewerb im Hinblick auf die Nominierung als Kulturhauptstadt Europas, 2010. Oliver Scheytt, der Personal- und Strategieberater in Sachen Kultur, trommelte erfolgreich für Essen und das Ruhrgebiet; ich gehörte um 2004/2005 zum Berater- und Manager-Quintett der Stadt Regensburg. Freilich kannte ich Scheytt schon lange zuvor – und wunderte mich, warum er, der Sozialdemokrat, langjähriger Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, während der SPD-Kulturstaatsminister-Phase nicht zum Zuge kam und erst 2013, ein paar Monate lang, von Peer Steinbrück als Fachmann im Schattenkabinett präsentiert wurde.

Wie kann es sein, dachte ich damals, dass einer wie er, kulturell und politisch außerordentlich kompetent, bestens vernetzt, nicht ins Kanzleramt geholt wird? Gehörte er nicht zur sogenannten Grappa-Connection, die einst, von Gerhard Schröder mit Manfred Bissinger im Kehdinger Moor dirigiert, den Kulturstaatsminister-Posten gründete? Michael Neumann, Julian Nida-Rümelin, später sogar meine Freundin Christina Weiss, die gar nicht Parteimitglied war, sondern nur auf SPD-Ticket zur Staatsministerin gemacht wurde – aber eben nicht der Scheytt, das soll einer verstehen, sagte ich oft. Ihm selbst, so schien mir, war es wurscht, obgleich er, Jahrgang 1958, ehrgeizig bis zum heutigen Tag, die verantwortungsvolle Aufgabe meines Erachtens zweifellos mit viel Sachverstand, Umsicht und Durchsetzungskraft bewältigt hätte.

Seiner Leidenschaft für Kunst und Betrieb zum Trotz, schwante dem promovierten Juristen wohl, heute als Geschäftsführer seiner effektvoll in Versalien geschriebenen Firmen »KULTUREXPERTEN« und »KULTURPERSONAL« tätig, dass es sowohl in der Politik als auch in der Kultur nichts zu verdienen gibt. Schlechte Vergütung selbst dort, wo höchste Verantwortung zu tragen ist. So halten Museumsdirektoren im öffentlichen Dienst gerne nach Nebenverdiensten rundum Ausschau, wenn es die Verträge zulassen. Und das scheint oft der Fall zu sein. Halb Berlin staunt beispielsweise, dass der Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, in der Hauptstadt für mehrere Häuser und Programme zuständig, nahezu ununterbrochen auswärts kuratiert, bei Beyeler in der Schweiz, bei Burda in Süddeutschland oder bei Prada in Italien, ganz so, als hätte er zu Hause nichts zu tun.

Unabhängig von Berlin und den Staatlichen Museen: Die kursierenden Zahlen in Sachen Brutto-Einkommen sind in der Kultur-Branche insgesamt ernüchternd. Die Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, ein Beispiel aus dem statistischen Material zum Thema, hat jahrelang Stellenanzeigen ausgewertet und kam zu einem fast sprachlos machenden Ergebnis: Über die Hälfte aller auf Network veröffentlichten Kulturmanagement-Stellen waren mit Gehaltsangaben versehen, »die unter der Grenze für geringfügig Beschäftigte von 17 500 Euro pro Jahr liegen«.

Bei genauer Betrachtung, so zeigt sich im Kontakt mit Oliver Scheytt, hat das lausige Resultat zwar nicht zuletzt damit zu tun, dass Stellen für Volontäre einbezogen waren. Doch alles in allem, so dokumentiert auch eine »KULTURPERSONAL«-Studie, die Scheytt zusammen mit seiner Professoren-Kollegin Julia Frohne, Gelsenkirchen, zum Arbeitsmarkt Kultur gemacht hat, ist die Situation beschämend. Selbst Spezialisten mit Masterstudium erhalten im Öffentlichen Dienst keine 3 000 Euro zum Einstieg. Eigene Recherchen zeigen: In zwölf Bundesländern liegt das erste Gehalt für Museumsdirektoren zwischen 2 080 Euro (Sachsen) und maximal 2 900 Euro (beispielsweise Bayern, Berlin, Bremen und Hessen).

In der Folge bedeutet es: Ist die »Abenteuerlust der Generation Y« (Frohne/Scheytt) erst einmal aufgebraucht, fällt die Motivation gering aus, am Arbeitsplatz zu bleiben und sich dort engagiert einzubringen. Aus einer Umfrage, die die beiden Professoren unter 133 jungen Fachkräften gemacht haben, geht hervor, dass »das Gehalt für über 80 Prozent der Befragten eine wichtige bis sehr wichtige Rolle spielt«.

So gesehen, denke ich, hat es Oliver Scheytt in seinem Arbeitsfeld als bekanntester Headhunter in der Kulturszene überaus schwer, Bewerber für staatliche oder kommunale Museen zu finden, wo teils nur hart an der Mindestlohn-Bestimmung vorbeigeschrammt wird. Höchste Zeit, darüber gründlich zu verhandeln, was heutzutage gezahlt werden muss, wenn man die dröge Stimmung in vielen Chefetagen unserer Forschungs- und Ausstellungsstätten nicht länger still hinnehmen will.

In dieser Ausgabe: Wie es bei der Eröffnung der James-Simon-Galerie in Berlin durch Angela Merkel war (Seite 3). Warum sich Nicholas Cullinan in London, National Portrait Gallery, immer noch ziert, auf den Sponsor BP zu verzichten (Seite 6). Was aus der Sammlung Flick wird, wenn die Rieck-Halle nicht mehr zur Verfügung steht (Seite 9). Hoffen auf ein gutes Ende: Der Sammler Uli Sigg in China (Seite 11). Hoffen auf Klarheit: Boris Johnson und die Zollfreilager (Seite 14). Sammlerin Heidi Horten gründet eigenes Museum (Seite 16). Messemacherin Johanna Penz im Insolvenzverfahren (Seite 16). Wochenblatt »Die Zeit« beerdigt seine Kunstmarkt-Seiten (Seite 18). Preis-Check: Tomás Saraceno (Seite 23). Impressum (Seite 25). 

Informationsdienst KUNST 681 – Editorial

Informationsdienst KUNST 681

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, vor drei oder vier Jahren, so wissen Insider im politischen Berlin zu berichten, wurde auf dem kleinen Dienstweg innerhalb der Bundesregierung ein Buch herumgereicht, das als Bestätigung für eine Mutmaßung diente, die ursprünglich im (Schäuble-)Finanzministerium hochkochte. Die Schweizer Juristin Monika Roth hatte im Zürcher Dike Verlag »Wir betreten den Kunstmarkt« veröffentlicht, einen Band, der schon auf dem Titel von Geldwäsche berichtete. Seitdem kursiert in der deutschen Politik, die es dem Kunsthandel ohnehin außerordentlich schwer macht, die absurde Meinung, dass Galeristen vor allem als Handlanger von Geldwäschern zu sehen sind.

In der vergangenen Woche wurde dieser Schwachsinn parlamentarisch dokumentiert, indem die Fraktion Die Linke in einem an die Bundesregierung gerichteten Antrag, Nummer 19/11098, mit größter Selbstverständlichkeit einen »Masterplan zur Geldwäschebekämpfung« forderte. Deutschland, so heißt es in der Vorbemerkung dieser unausgegorenen Drucksache, sei ein »Paradies für Geldwäsche«, und man habe mit mindestens 100 Milliarden Euro pro Jahr zu rechnen. Die Linke zitiert obendrein Roberto Scarpinato, Palermo, den Anti-Mafia-Staatsanwalt, der gesagt haben soll, wäre er ein Mafioso, würde er in Deutschland investieren.

Der fragwürdige Antrag der Fraktion Die Linke, der auch gleich die Forderung enthält, sogenannten Whistleblowern bei Meldungen über mögliche Verstöße gegen das Geldwäsche-Gesetz »einen umfassenden Schutz zu gewähren«, empört nicht nur, weil er offenbar eine Spitzel-Kultur etablieren will. Er zeigt obendrein, dass Die Linke ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Denn mittlerweile liegen die Abschlussberichte der sogenannten ILLICID-Studie vor. Deren Tenor ist eindeutig: »Sie enthalten keine Hinweise auf Raubgrabungen, Terrorfinanzierung oder Geldwäsche«, so lautet das Resümee der Hamburger Anwältin Christina Berking, Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel.

Drei Jahre lang wurde seitens der beauftragten Technischen Universität in Hannover geforscht (Kosten: 1,2 Millionen Euro), und von der ursprünglichen These, dass viel kriminelles Tun im Kunstbetrieb stecke, ist nun nicht mehr die Rede. Die aufwendige Studie, veranlasst vor allem wegen angeblich weitreichender Raubgrabungen und Plünderungen archäologischer Stätten, bietet »dünne Ergebnisse« (Berking) – und lässt folglich die Frage nach der Berechtigung der massiven Regulierung des Kunsthandels erneut aufflammen. Denn es scheint so, dass sowohl die EU-Einfuhrverordnung als auch das Kulturgutschutzgesetz auf äußerst wackeligen Beinen stehen. Die ILLICID-Papiere enthalten kaum nennenswerte Zahlen: Allein der illegale Kunsthandel in Deutschland bringt es noch nicht einmal auf eine Million pro Jahr; dabei war von Milliarden phantasiert worden.

Schlusswort also für Christina Berking und die Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel: »Konkrete Hinweise auf Akteure, Netzwerke und Handlungsroutinen sowie Gewinn- und Geldwäschepotential, die die Pilotstudie aufdecken wollte, sucht man in den Berichten vergebens. Dazu hat man nichts gefunden. Ein Freispruch für den Handel.« Klartext: Die Linke sollte ihren Stasi-Manier-Antrag schleunigst zurückziehen.

In dieser Ausgabe: Von Leipzig nach Linz – Alfred Weidinger hat gekündigt (Seite 4). Von Olaf Scholz zu Monika Grütters: Kunstbesitz des Bundes (Seite 5). Recherchen in Krefeld – wegen Herausgabe-Anspruch in Sachen Mondrian-Bilder (Seite 8). Münchens Kulturreferent, Hans-Georg Küppers, hat seinen Schreibtisch geräumt (Seite 9). Gaskonzern-Chef Leonid Mikhelson plant neues Museum in Moskau (Seite 10). Nantesbuch-Geschäftsführerin Andrea Firmenich wechselt zur Kunststiftung NRW (Seite 14). Mit David Chipperfield durch die neue James-Simon-Galerie in Berlin (Seite 15). Aus für Liebermann-Villa-Direktor Daniel Spanke (Seite 17). Neo Rauch gegen Wolfgang Ullrich (Seite 17). Jugendstil-Schenkung für Hessen (Seite 20). Impressum (Seite 25).

Informationsdienst KUNST 680 – Editorial

Informationsdienst KUNST 680

Editorial von Karlheinz Schmid

Liebe Leser, Sie erinnern sich womöglich: Julian Schnabel hatte auch den nicht restlos geklärten, immer noch von widersprüchlichen Erkenntnissen begleiteten Vorgang vom 27. Juli 1890 in seinem kürzlich in die Kinos gekommenen Film »An der Schwelle zur Ewigkeit« aufgegriffen (siehe ID 676, Seite 7). Vincent van Gogh, so zeigt Schnabel, könnte im Gerangel mit zwei Jugendlichen erschossen worden sein, aber es gilt natürlich nach wie vor auch die hinlänglich festgeschriebene Suizid-Version, die der schwer verwundete Künstler selbst vor seinem Tod, zwei Tage später, polizeilich zu Protokoll gegeben haben soll.

Ungewiss freilich zudem, ob die angeblich 1960 von einem Landwirt auf einem Acker bei Auvers-sur-Oise gefundene Waffe tatsächlich jener Revolver ist, der die Schussverletzung herbeigeführt haben soll. Auf jeden Fall erzielte das verrostete Ding jetzt bei einer Versteigerung sage und schreibe 162 500 Euro (Schätzpreis: 40 000 bis 60 000 Euro). Das ist viel – und zugleich wenig (die Knarre, mit der ein legendärer Gangster, Jesse James, acht Jahre vor Van Gogh ums Leben kam, sollte sogar über anderthalb Millionen Dollar bringen).

Was allerdings mehr beschäftigt, ist die Frage, wie es kommt, dass Devotionalien dieser Art eine solche Rolle spielen. Natürlich: Wer kann sich schon einen Van Gogh leisten; wer gibt heutzutage hohe zweistellige Millionen-Beträge für Kunst aus? Letztlich eine Minderheit, obgleich die täglich eintreffenden News aus den Auktionshäusern einen anderen Anschein erwecken. Der Großteil der kunstinteressierten Öffentlichkeit begnügt sich mit Museums-, Messe- und Galeriebesuchen oder gar mit der Lektüre von Katalogen.

Es scheint zudem einen Trend zu geben, in einer Welt vielfacher Bedrohung die Flucht in die Kunst über die Aneignung von Relikten zu vollziehen. Auf etlichen Schreibtischen liegen immer noch jene kleinen Stoffstücke, die einst Christo und Jeanne-Claude in Berlin verteilten, als sie den Reichstag verhüllten. Wer einst bei einer Nitsch-Aktion dabei war und sich dort die eigenen Klamotten mit Blut versaute, hat Hose oder Hemd, sorgsam in einer transparenten Plastikhülle verpackt, selbstverständlich aufgehoben.

Und nicht selten kommt es vor, dass ein Sammler beim Hausbesuch plötzlich einen farbverkrusteten Pinsel hervorholt und von seiner Begegnung mit dem Maler Soundso berichtet. Sogar ein kleines getigertes Hemdchen, sehr sexy, das eine bekannte Performerin nach einer privaten Übernachtung vergessen haben soll, wird nach ein paar Gläsern Wein wie ein Fetisch präsentiert. Heißa, so denkt man da, was ist da los – zumal derzeit überall T-Shirts, Pullover, Badetücher und sonstiger Krimskrams von renommierten Artisten zu finden sind. Das Souvenir-Geschäft läuft, in der König Galerie in Berlin und London ebenso wie bei »art« in Hamburg.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der seit vier Jahrzehnten immens zunehmende Star-Kult in der Kunst, ganz nach dem Muster Musik-Business, aus dem Bedürfnis nach Nähe resultiert. Vielleicht geht es mittlerweile sogar um das Bild hinter dem Bild, um etwas, was noch intimer als ein klassisches Kunstwerk ist. Zu kühn gedacht, wenn man mutmaßt, dass die Gesellschaft (der aktuellen Hitze zum Trotz) zunächst ganz eng zusammenrückt, wie bei Schopenhauer, um dann allmählich den richtigen Abstand zu erkunden?

Oder ist alles schlichtweg ein Hinweis auf die Entwicklung der Gegenwartskunst beziehungsweise ihrer Auflösung? Immerhin haben viele Avantgardisten bereits vor Jahrzehnten vorausgesagt, dass Kunst und Leben eines Tages völlig verschmelzen werden. Dann geht’s nicht mehr um Höchstpreise, sondern primär um Tiefe in der Auseinandersetzung. Macht das nicht Hoffnung?

In dieser Ausgabe: Das Kulturprogramm »30 Jahre friedliche Revolution« wird im falschen Regierungsressort gestaltet (Seite 3). Erst ein Goldener Löwe, jetzt ein Finanzproblem: Biennale-Teilnehmer Litauen in Venedig unter Druck (Seite 8). Mehr Kultur-Etat für Senator Klaus Lederer, Berlin (Seite 9). New York: Pace Gallery im Aufwind (Seite 13). Wie Bénédicte Savoy, die Wissenschaftlerin, noch mehr Politik macht (Seite 15). Neue Ära in Karlsruhe: Fortan leitet Jan Boelen die Staatliche Hochschule für Gestaltung (Seite 17). Museen und Freundeskreise: Beispiele aus Düsseldorf (Seite 18). Johann König und zwei Frauen in Nebenrollen (Seite 19). Peter Raue über den Purrmann-Prozess (Seite 20). Preis-Check: Alexandra Bircken (Seite 22). Impressum (Seite 25).