Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Oktober-Ausgabe der KUNSTZEITUNG erschienen.

Natürlich haben es Adolf Luther und Christian Megert getan, Künstler aus dem Zero-Umfeld. Der Spiegel als Material. Natürlich waren auch, Jahrhunderte zuvor, Maler wie Jan van Eyck oder Diego Velázquez von Spiegelungen begeistert, als zentrales oder als marginales Motiv. In der jüngsten Gegenwartskunst kaum weniger Gestaltungslust: Überall Spiegel, Spiegel, Spiegel. Passend zur digitalen Flüchtigkeit. Bei der kometenhaft aufgestiegenen Bildhauerin Alicja Kwade ebenso wie beim Fabrik-Herren Olafur Eliasson, in der einzelnen Skulptur wie in der raumgreifenden Installation.

Dabei könnte man meinen, dass die Metaphorik, die im vielsagenden Thema steckt, längst überstrapaziert und ausgereizt ist. Haben nicht von den Surrealisten bis zu den Arte-Povera-Artisten und von den Pop-Art-Malern und Zero-Machern (siehe Seite 5) bis zu den Hyperrealisten nahezu sämtliche Pioniere ihrer Disziplinen längst alles gewagt, was sich mit den zerbrechlichen Schreiben oder dem Folien-Effekt anstellen lässt? Magritte, Pistoletto, Bourgeois, Genzken, Armleder, Kapoor, Zobernig – bildnerische Arbeiten zuhauf, teils mit Waren-Charakter, gut für den Rendite-Markt, teils Maßwerk für den öffentlichen Raum.

Als uns kürzlich die Abbildung einer Rundspiegel-Wand des Amerikaners Graham Caldwell auf den Bildschirm kam, fiel uns prompt viel dazu ein, hatten wir doch Tage zuvor schon laufend dies und das gespiegelt, erörtert, debattiert. Auch, ganz profan, im Haushalt, wo niemand in blinde Spiegel sehen mag.

Es will ja bedacht werden, dass die reflektierenden Flächen seit ewigen Zeiten, unabhängig von der Kunst-Frage, eine weitreichende Bedeutung einnehmen. Nicht nur im Blick auf stehendes Wasser, wo sich Kind und Hund entdecken können. Auch wir selbst gucken ja immer wieder einmal in den Spiegel, in den großen oder in einen der kleinen, um der Wirklichkeit porentief ins Gesicht zu schauen. Zum Glück ohne Daten-Speicherung.

Logisch, nicht immer geht es dabei um Sigmund Freud und die narzisstische Selbstverdoppelung oder um Jean-Paul Sartre und das Problem der Selbstbewusstseinsbildung in der Konfrontation mit einem Gegenüber. Manchmal sind es schlicht Haarsträhne und Pickel, die gebändigt werden wollen. Oder der Wunsch, per konkaver oder konvexer Spiegel das Figürliche zu beeinflussen. Selbsttäuschungsmanöver quasi.

Tatsächlich ist es ja so, dass der Spiegel, der vergesslichste Augenzeuge, eine Art Membran darstellt – zwischen Wirklichkeit und Illusion, zwischen der realen und der virtuellen Welt, wie das zeitgemäß heißt. Wir können und wollen nicht verschweigen, dass auch uns das barocke Vanitas-Phänomen beschäftigt. Ja, ein bisschen Eitelkeit gehört dazu, auch die Erkenntnis, dass Alter und Vergänglichkeit zur Nachjustierung eigener Kriterien und Werte führen. Identitätsarbeit für jeden von uns.

Wieder mittendrin im Bildnerischen. Ob die Flut solcher Spiegel-Arbeiten womöglich aus der Tatsache resultiert, fragen wir uns, dass die faszinierende Welt reflektierender Subjekte und Objekte, ihr Erscheinen und ihr Verschwinden, besonders die Künstler anspricht, allzeit auf der Suche nach belastbarer Form. Und sie sind es ja auch, die es sich nicht so leicht machen wollen, die durchaus bewusst auf schwankendem Boden agieren, um fremdes Terrain zu erobern. „Ich will einen neuen Raum bauen, einen Raum ohne Anfang und Ende“, schrieb Christian Megert vor knapp 60 Jahren. Und von ihm lernten wir auch, einen Spiegel gegen einen anderen zu halten, „um einen Raum ohne Grenzen zu finden, einen neuen metaphysischen Raum“, halb Realität, halb Traum.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

 

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