Lindinger + Schmid
Kritischer und unabhängiger Journalismus
Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

Die Zeitung, die Kunst und Kunstbetrieb durchleuchtet, und zwar Monat für Monat. Künstler und Ausstellungen, Markt und Museen, Debatten und Trends.
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Bücher zur Kunst

Ein Buchprogramm, das kein Blatt vor den Mund nimmt. Statements zum Kunstbetrieb sind hier ebenso zu finden wie Ratgeber zu wichtigen Aspekten der Branche.
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ELF SCHAUFENSTER
Das aktuelle Objekt: Tomato-Sessel von Eero Aarnio

Seit langem beschäftigen sich Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid nicht nur mit der Kunst und dem Kunstbetrieb, sondern zudem mit Design. In Berlin-Friedenau betreiben die beiden Verleger einen Kunst- und Design-Laden, Elf Schaufenster. Herausragende Objekte aus Design, Mode und Kunst werde hier miteinander in den Dialog gesetzt. „Je länger man sich im Elf Schaufenster aufhält, desto mehr stilvolle und außergewöhnliche Designs gibt es zu entdecken“, urteilte die „Berliner Morgenpost“ in ihrem Artikel über das „faszinierende Kunst- und Design-Geschäft“.

Exemplarisch verkörpert wird der Dialog zwischen Design und Kunst durch den Tomato-Sessel des finnischen Designers Eero Aarnio. Drei Kugeln aus Fiberglas bilden eine komfortable Sitzgelegenheit und muten zugleich an wie eine moderne Skulptur.

Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.
Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Juni-Ausgabe der KUNSTZEITUNG erschienen.

 

Allen Schlaumeiereien zum Trotz, dass man Kunst ohnehin nicht lehren oder lernen könne, werden überall staatliche und private Kunstschulen betrieben, in manchen Bundesländern und Städten mehr, als es sinnvoll ist. Denn die Quote wirkt nach wie vor ernüchternd. Von 100 Absolventen dürfte durchschnittlich einer später von seiner freien bildnerischen Arbeit leben können. Die meisten Künstler müssen sich als Taxifahrer, Handwerker oder Galerieassistenten über Wasser halten. Karriere – ein Traum. Kunst – ein schönes Hobby. Leise Hoffnung, eines Tages doch noch entdeckt zu werden, im fortgeschrittenen Alter ein wenig Kunstgeschichte schreiben zu können, wie die 2010 im Alter von 99 Jahren gestorbene Bildhauerin Louise Bourgeois, die erst in den Achtzigern allmählich internationale Anerkennung fand.

Auch wir haben Malerei und Kunsttheorie an einer staatlichen Kunsthochschule studiert, zehn Semester lang, beziehungsweise per Sommerakademie-Besuch bei Emilio Vedova und anderen Branchen-Stars erfahren, was Kunst sein kann, sein muss. Auch wir haben später und dann gemeinsam Seminare zur Kunst und zum Kunstbetrieb veranstaltet sowie Bücher zur Ausbildung verlegt. Einer von uns agierte als Dozent an einer Uni, später auch als Professor an einer Kunstakademie.

Mithin: Pädagogik ist uns nicht fremd, aber wir wissen eben auch, wo ihre Schwächen liegen, wenn es um die Vermittlung künstlerischer Erkenntnis und die Erweckung von sogenannten Talenten geht. Es ist ja nach wie vor nicht so, dass die einmal Berufenen in den Akademien alles geben, dass sie dem Nachwuchs wirklich auf die Sprünge helfen. Wie vor Jahrzehnten: Manche Professoren tauchen zum Semesterbeginn und dann noch mal zur Schlussbesprechung oder zur Scheinvergabe am Ende auf, allergisch gegen schulische Verwaltungsabläufe, weil die Kunst doch frei (und der Lehrer faul) sein möge. Papperlapapp, so sagen wir da, hören wir von solchen Missverständnissen.

Natürlich, das sei ausdrücklich festgehalten, ist der akademische Schludrian nicht überall unterwegs. Es gibt etliche Bildungseinrichtungen, die sich redlich mühen, wirklich hilfreiche Lehrangebote zu machen und Abschlüsse anzubieten, die nicht schnurstracks in die Armut führen. Internationale Standards werden in manchen Akademien diskutiert, Promotionsstudiengänge für Künstler eingerichtet, so dass aus einem gescheiterten Praktiker immer noch ein erfolgreicher Theoretiker werden kann. Alles lobenswert, durchaus.

Aber es bleibt, alles in allem, ein gewisses Unbehagen, wenn es um die Akademien und die Lehre geht, wenn wir, von überraschenden Statements oder neuen Zahlen animiert, unverhofft wieder einmal am Dauerbrenner-Thema hängen bleiben. 47 383 Besucher, so erreichte uns eine Nachricht, sollen beim letzten Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf gezählt worden sein. Knapp 50.000 Kunstfreunde strömen also in eine einzige Hochschule, um zu sehen, was Studierende machen? Eventhunger? Interesse an einer Kunst, die jetzt noch nicht, aber (zum geringsten Teil) irgendwann marktfähig erscheint? Schlichtweg Spekulation, heute schon ein Schnäppchen zu machen, einen Jung-Künstler zu finden, aus dem mal ein ganz Großer wird, ein Richter oder Gursky?

Eine verbindliche Antwort haben wir nicht parat, aber wir ahnen, dass der Kunst-Boom vergangener Jahrzehnte dazu beigetragen hat, dass sowohl der Bewerber-Zulauf an den Akademien größer geworden ist als auch die Begeisterung des Publikums, mittlerweile schon die Akademie- Klassen zu stürmen. Wir fragen uns, ob es nicht sinnvoller und verantwortungsbewusster wäre, diese Rundgänge und Jahresausstellungen abzuschaffen. Sollten Studierende nicht besser in aller Ruhe experimentieren können, frei vom selbstverordneten Druck, gar vom Stress, den eine renditegierige, allemal ihre Langeweile bekämpfende Besuchermeute in die Ateliers trägt? Den Galeristen, die oft tagelang einsam in ihren Räumen sitzen, bis mal wieder jemand reinschaut, wäre es gewiss recht, wenn die Meute umgeleitet würde.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

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