Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

Die Zeitung, die Kunst und Kunstbetrieb durchleuchtet, und zwar Monat für Monat. Künstler und Ausstellungen, Markt und Museen, Debatten und Trends.

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Informationsdienst KUNST

Der Branchenbrief liefert vierzehntäglich unverzichtbare Hintergrund-Informationen. Niemand wird geschont, keine Affäre verschwiegen.

Fakten

Die KUNSTZEITUNG steht nicht nur für kritischen Journalismus und herausragende Autoren, sie kann auch auf einige rekordverdächtige Zahlen verweisen.

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

Die kommende KUNSTZEITUNG erscheint als Doppelausgabe Februar/März 2021 am 3. März.

KUNSTZEITUNG, PDF DER AKTUELLEN AUSGABE

Hier können Sie die vollständige Doppelausgabe Dezember 2020 / Januar 2021 online lesen.

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Doppelausgabe Dezember 2020 / Januar 2021 der KUNSTZEITUNG erschienen.

Fragezeichen, Fragezeichen. Nein, Empörung, Empörung, so meinen wir. Ziviler Ungehorsam vonnöten. Denn was unsere Politiker, teils ebenso naiv wie verantwortungslos, vor Wochen erneut inszeniert haben, das ist schlichtweg hanebüchen. Einfach ohne jede Sachkenntnis, wenn in einem internen Lockdown-Arbeitspapier der Bundeskanzlerin in der Vorbereitung zur Konferenz mit den Ministerpräsidenten unter „Freizeitgestaltungen“ das aufgeführt wird, was das Land der Dichter und Denker ausmacht – vom Theater über Konzertsäle bis zum Kino.

Und, schlimmer noch, die Museen tauchten Ende Oktober im vierzeitigen Merkel-Papier nicht ein einziges Mal auf. Es gab sie gar nicht. Krönung: Kulturstaatsministerin Monika Grütters, mit Angela Merkel unter einem Dach tätig, intervenierte nicht. Sie war damit beschäftigt, ihre obligatorischen Geburtstagsglückwünsche an verdiente Theaterleute und ihren Bundestagsbrief („Besuch im Rathaus Schöneberg“) zu verfassen. Als sie dann ihr eigenes Statement zu den Corona-Beschlüssen verbreitete, kaum zu glauben, wurden die Museen wieder nicht erwähnt. Ganz so, als hätten sie und Parteifreundin Merkel beschlossen, diesen Bildungsstätten einen Denkzettel zu verpassen. Oder war es Gedankenlosigkeit?

Dabei hatte Grütters selbst dafür gesorgt, dass die Museen zusätzliche Mittel erhalten, um alles zu tun, die Verbreitung der Pandemie zu stoppen. So wurden Kassen und Eingänge mit Ein- und Aufbauten versehen, Plexiglas zuhauf, sowie Desinfektionsspender installiert und der Zugang per Zeitfenster geregelt – alles bestens, um Infektionen zu verhindern. Bedenken wir obendrein, dass in den Museen dank weiträumiger Ausstellungsarchitekturen genug Abstand für die Besucher vorhanden ist, dann kapiert wie Bordelle zu schließen, nicht im Geringsten.
Ein Skandal, was Merkel, Grütters und die Kulturminister der einzelnen Bundesländer, voreilig, übereifrig, der deutschen Museumslandschaft angetan haben. Der jüngste Lockdown in diesen oft gerade erst wiedereröffneten Häusern zeugte nicht von Fürsorge, sondern vom Gegenteil. Willkürlich wirkte die Maßnahme, weil sie seitens der Regierenden auch nicht nachvollziehbar kommuniziert wurde. Galt ihnen Kunst einst in den Sonntagsreden als Lebensmittel, gerne im Bildungskontext verortet, läuft sie nun plötzlich unter Vergnügen und Zeitvertreib, eben völlig entbehrlich. Was soll man dazu sagen?

Aus dem Totenmonat November, so kommentierten wir in den vergangenen Wochen auch in Telefonaten mit Freunden, könnte ein Gedenkmonat werden – für den Anfang vom Ende, für den kulturellen Untergang, verursacht durch eine Kaste unfähiger Bundes- und Landespolitiker. War 2020 nicht ohnehin ein Jahr der Trauer? In Zeiten allgemeiner Tristesse wiegt es schwerer, wenn Künstler wie John Baldessari, Anna Blume, Christo, Luchita Hurtado, Oswald Oberhuber, Markus Raetz, Keith Sonnier, Ulay oder Lois Weinberger, die allesamt ein Stück Kunstgeschichte geschrieben haben, das sogenannte Zeitliche segnen. Oder Sammler, die Kunst nicht als Privatsache verstanden, beispielsweise verstorbene wie Anna Grässlin, Franz Joseph van der Grinten oder Erich Marx. Oder der Kurator Germano Celant.

Das zurückliegende Jahr, so meinen wir, bleibt aber auch deshalb in Erinnerung, weil es erschwerend als ein Jahr des Versagens in die Annalen des Kunstbetriebs eingehen wird. Während zahlreiche Museumsdirektoren in einer konzertierten Aktion zum Monatswechsel Oktober/November der Politik immerhin ein wenig Paroli boten, verstummten die sowieso viel zu stillen bildenden Künstler weitgehend. Kein nennenswertes gemeinsames Auftreten, schon gar kein Zeichen der kritischen, ungehorsamen Art. Beinahe so, als wäre es ihnen in der Einsamkeit ihrer Ateliers völlig wurscht, welche Rolle die Kultur in unserer Gesellschaft spielt. Das macht uns wütend.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid