Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Februar-Ausgabe der KUNSTZEITUNG erschienen.

Der Raucher ist wieder da. Wochenlang war der Mann, der auf der anderen Straßenseite wohnt, der – wie wir selbst – unterm Dach seine Räume hat, schlichtweg verschwunden. Zusammen mit seiner Frau. Schon zwei oder drei Tage nach seiner Abreise, vermutlich in ein sonnigeres Land, weil er überaus gebräunt zurückkam, fiel uns die Veränderung wie ein Verlust auf, weil der Nachbar normalerweise allemal halbstündlich auf den Balkon tritt, um seine Sucht zu befriedigen.

Natürlich kennen wir dieses spezielle Entzugsgefühl, zumal wir, mittlerweile der Gesundheit halber konsequent Nichtraucher, in jungen Jahren ebenfalls glaubten, ohne den Glimmstängel nicht überleben zu können. Was wir da so alles weggedampft haben – beim Malen, beim Schreiben, abends in den Kneipen. Jeder wie ein Schlot. Doch niemand musste damals vor die Tür, um sich eine Zigarette anzuzünden. Munter wurde überall geraucht, und vor Tagen erinnerten wir uns, lachend, dass in manchen Künstlerateliers oder Redaktionsräumen der in die Luft geblasene Nebel so dicht ausfiel, dass man kaum sah, wer an der Leinwand stand oder in die Schreibmaschine griff. Ja, das waren Zeiten.

Es war auch die Zeit der bedingungslosen Hingabe, der Exzesse, der existenziellen Auseinandersetzungen. Schwarz gekleidet, auf hohen Barhockern sitzend, die Kippe in der Hand, so redeten wir uns heiß, immer Bilder von rauchenden Vorbildern vor Augen. Natürlich war eine Prise Erotik im Filter des Rückblicks. Allein was in den Filmen weggeraucht wurde: Unvergessen, Catherine Deneuve, ebenso Humphrey Bogart, schließlich auch Sharon Stone, etwa in „Basic Instinct“; die hochintelligente Frau als Domina tiefster Gelüste. Ein Leben auf der Kippe, gewissermaßen im Wort-Sinne.

In der bildenden Kunst – wer hat sie nicht im Gedächtnis, diese Bilder – ebenfalls keine Erzählung ohne Fluppe. Was lag vor 50 Jahren, unten rechts, im „Schlafzimmerbild Nr. 13“ von Tom Wesselmann, dem Pop-Art-Meister? Richtig; eine Filterzigarette. Wer hatte vor über 100 Jahren eine Zigarette im rechten Mundwinkel? Ja, Ernst Ludwig Kirchner, so zeigt sein „Selbstbildnis als Soldat“, auch als Selbstporträt mit abgehauener Hand bekannt. Rauchende Künstler und Vermittler zuhauf, erinnern wir uns an frühere Jahrzehnte, als wir noch selbst zur qualmenden Fraktion gehörten und mit Freunden wie Hans Platschek oder Harry Szeemann nächtelang die Aschenbecher füllten.

Inzwischen wird in der Kunstszene nicht mehr viel geraucht, selbst Kasper König ist nikotinfrei. Das hat, vernünftig, gesundheitliche Gründe, aber gewiss haben auch die Rauchverbote allerorten zur Einschränkung geführt. Obgleich in Deutschland noch täglich 200 Millionen Zigarettenstummel anfallen sollen, entsprechend viel Arsen, Blei, Cadmium und andere umweltschädliche Stoffe die Gesellschaft belasten, scheint insgesamt ein Umsatz-Einbruch bei den Tabak-Konzernen registriert zu werden. Kürzlich hörten wir, dass Philip Morris in Berlin, ganz beiläufig während einer Belegschaftsversammlung, von der Fabrikschließung im Bezirk Neukölln berichtet haben soll. An unserem Nachbarn, drüben auf der anderen Straßenseite, kann’s nicht liegen, lästerten wir. Er raucht für zwei oder gar drei Abtrünnige mit.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid