Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Dezember-Ausgabe der KUNSTZEITUNG erschienen.

Schon wieder ein Jahr bewältigt? Erneut Weihnachten vor der Tür? Das Christfest, das am Heiligabend beginnt und am zweiten Feiertag nicht endet, weil die nadeligen Bäume oft noch Wochen danach herumstehen, hat seine ursprüngliche Bedeutung längst verloren. Die Geburt Jesu Christi, seit dem 11. Jahrhundert per Krippenspiel in die Erinnerung gerufen, wird heute vor allem als heiße Phase des Einzelhandels betrachtet. Hinz und Kunz versuchen sich im Rausch eines kommerziellen Hochleistungssports zu überbieten: Aus der kleinen Geste des Freudemachens ist ein Wettbewerb entwickelt worden, der vom Superlativ getragen erscheint. Wer bringt das größte Geschenk? Wer das teuerste? Eine Unsitte, die manches Familienfest von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Natürlich haben auch wir vor Jahrzehnten mitgemacht, zunächst geglaubt, die aufwendig gepflegten Traditionen, die man im Elternhaus kennenlernte, müssten fortgesetzt und an die eigenen Kinder vermittelt werden. Und so wurden Bäume bis unter die Zimmerdecke geschmückt. Im tagelangen Vorbereitungsstress galt es, auf Teufel komm raus zu kochen und zu backen, als sei eine ganze Gourmet- Kompanie zu versorgen. Und natürlich wurde tüchtig eingekauft, Präsente, für jeden gleich mehrere, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass allemal ein Geschenk dabei sein würde, das passt, ankommt, begeistert. „Same procedure as every year“, so hieß es – bis wir irgendwann, ebenso müde wie nachdenklich geworden, alles infrage stellten, was sich an Ritualen im Laufe des Lebens eingeschlichen hatte.

Es war, zugegeben, eine Art Befreiungsschlag, als wir um 1990 mit dem Bescherungs- und Dekorationszirkus aufhörten, diese Zeit lieber nutzten, um uns, ohne Pipapo, zusammenzusetzen und im Gespräch ein Brauchtum der anderen Art zu entwickeln, frei von Kitsch, Kirche und Kommerz. Natürlich sind wir keine Fundamentalisten. Natürlich dürfen ein paar Dominosteine oder ein Stollen verzehrt werden. Und wenn einer von uns Lust hat, „Jingle bells“ aufzulegen, dann gibt’s eben auch mal Winterliches auf die Ohren. Völlig okay. Aber es tut so gut, die weit verbreitete Pflichtgenuss- und Schönschenken-Arie ignorieren zu können. Und wenn jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis nachfragt, warum wir nach wie vor nicht weihnachtlich gestimmt sein wollen, dann lästern wir, was das Zeug hält. Spätestens, wenn wir 1659 und Massachusetts sagen, kapitulieren alle, die uns bekehren möchten: Damals wurde aufgrund von Puritaner-Einfluss ein Anti-Weihnachtsgesetz verabschiedet; wer beim Feiern erwischt wurde, musste mit einer Strafe rechnen.

Keine Panik: Sittenstreng sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir lieben es, wenn die Dinge ausufern, wenn Grenzen ausgelotet und auch durchbrochen werden. Subversives Tun ist gerade in einer Gesellschaft der Konventionen wichtig, um Verkrustungen zu vermeiden. Zweifellos leben wir auch deshalb in der Kunst, weil sie uns immer wieder die Kraft gibt, in neues Terrain vorzudringen. Manchmal sind es nur kleine Ideen, die Hoffnung keimen lassen, die uns vor Versteifung bewahren. Als wir vor ewigen Zeiten eine Postkarte entdeckten, die Bernhard Johannes Blume mit den üblichen Weihnachtsbaum-Kerzen an den Ohren zeigte, amüsierten wir uns wie Kinder – und verschickten das Motiv dutzendfach. Als Paul McCarthy ins Weihnachtsmann-Gewand schlüpfte und sich lustvoll besudelte, überlegten wir nicht lange und veröffentlichten ein Foto als Cover der von uns damals herausgegebenen Zeitschrift KUNSTJAHR.

Jeder soll Weihnachten feiern dürfen, wo und wie er will, ob in der kirchlichen Gemeinschaft der Gläubigen oder im privaten Warenrauschzimmer. Doch das Fest der Feste, wie es sich heute meist darstellt, hat sich ohnehin von seinen ursprünglichen Intentionen entfernt. So lässt sich leicht die Legitimation ableiten, aus dem „engen Korsett der Aufführungen“, wie der Wissenschaftler Daniel Hornuff einmal in einer Tannenbaum-Schrift des Goethe-Instituts schrieb („Abonnement für Heiligabend“), kurzerhand auszubrechen und eigene Wege zu gehen. Wie auch immer sie angelegt sein mögen: Entscheidend ist, dass diese Zeit als Chance genutzt wird, die üblichen Alltagsabläufe zu unterbrechen, eine Pause einzulegen, aus der man geistig gestärkt herauskommt. Dann waren es in der Tat frohe Weihnachten.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

 

 

 

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