Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

Die Zeitung, die Kunst und Kunstbetrieb durchleuchtet, und zwar Monat für Monat. Künstler und Ausstellungen, Markt und Museen, Debatten und Trends.

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Informationsdienst KUNST

Der Branchenbrief liefert vierzehntäglich unverzichtbare Hintergrund-Informationen. Niemand wird geschont, keine Affäre verschwiegen.

Fakten

Die KUNSTZEITUNG steht nicht nur für kritischen Journalismus und herausragende Autoren, sie kann auch auf einige rekordverdächtige Zahlen verweisen.

Ausgaben der KUNSTZEITUNG

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

Die kommende KUNSTZEITUNG erscheint als Doppelausgabe April/Mai 2021 am 5. Mai.

KUNSTZEITUNG, PDF DER AKTUELLEN AUSGABE

Hier können Sie die vollständige Doppelausgabe Februar/März 2021 online lesen.

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Doppelausgabe Februar/März 2021 der KUNSTZEITUNG erschienen.

Wie es halt so kommt, wenn der Lockdown das Leben radikal verändert, den Alltag auf heimische Rituale beschränkt. Kein Museumsbesuch, kein Galerienrundgang, keine Messetage. Auch kein Abend im Theater, im Konzert, im Kino oder im Restaurant. Ja, ob Silvester oder Karneval, ob Januar oder Februar: Wir hockten – wie schon die Monate zuvor – artig zu Hause, nur auf uns selbst konzentriert. Ohnehin rund um die Uhr symbiotisch aufeinander bezogen, ob beruflich oder privat, und das schon seit 30 Jahren, landeten wir in jüngster Zeit und nach dem Abendessen in der eigenen Küche häufig beim gleichen Thema.

Nein, nicht schon wieder Corona und die Folgen, mental und wirtschaftlich, für Individuen oder die ganze Gesellschaft. Das Unheil der Pandemie lässt sich längst nicht mehr schönreden, wie wir es anfänglich noch versucht hatten – unter der Headline „Entschleunigung“, die in einer immer schneller und oberflächlicher werdenden Digitalcommunity vonnöten schien. Nun ist alles derart lahmgelegt, teils sogar plattgemacht, dass wir uns die Rückkehr zu hektischer Betriebsamkeit sehnsüchtig wünschen. Genug gejammert, sagten wir uns, wenn einer damit loslegte; ändern können wir es nicht.

Wir taten kurzerhand so, als habe sich das Virus längst verflüchtigt, als sei alles wieder beim Alten. Dabei wissen wir freilich, dass nichts mehr sein wird, wie es war. Nach Corona setzt ein neues Zeitalter ein, ahnen wir, obgleich wir nicht soweit denken wollen, wie es vereinzelt zu lesen ist, wenn Bedenkenträger gar von einer anstehenden Neugründung der Bundesrepublik schwadronieren. Zum philosophisch angehauchten Gesprächsstoff vergangener Küchen-Abende gehörten allerlei Aspekte der Erkenntnis und die Frage, ob dabei eine Altersabhängigkeit zu berücksichtigen sei. Natürlich fielen uns zwar prompt etliche Beispiele aus dem KUNSTZEITUNG-Verleger-Alltag ein, doch um Anekdötchen, so unterhaltsam sie auch sind, ging es letztlich nicht. Wir konnten dagegen, unisono und doch aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, von der mit dem Alter zunehmenden Erfahrung und dem ebenfalls anschwellenden Wissen berichten.

Bevor es irgendwann mit der geistigen Leistung womöglich abwärts geht, so die Übereinstimmung, spüre man zunächst verstärktes Bewusstsein. Gesundheitlicher Sorge zum Trotz: Von Jahr zu Jahr scheint der Durchblick zuzunehmen, auch die Fähigkeit, sich nicht blenden zu lassen, sondern sonnenklar zu kapieren, wie alles mit allem zusammenhängt, wie Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eng verwoben sind. Das ist mitunter ernüchternd, gleichwohl wohltuend, weil man sich nichts mehr vormachen lässt. Wer Haltung hat, wird folglich auch kompromissloser, ist streitbarer, weil nichts mehr zu verlieren ist. Allenfalls das Leben. Alte Menschen seien gefährlich, soll George Bernard Shaw mal formuliert haben, fiel uns ein. „Grundwut“, ergänzte die Herausgeberin.

Zusammen sind wir mittlerweile 135 Jahre alt, aber nach wie vor kämpferisch veranlagt (wie Freunde und Leser wissen: Auch in Corona-Zeiten, wenn die knapp 25 Jahre alte KUNSTZEITUNG wegen fehlender Anzeigen gefährdet ist). Und das ist kein Wunder: Immerhin zeigen demographische Erhebungen, dass die Lebenserwartungen steigen, dass die Bevölkerung in Deutschland von Jahr zu Jahr älter wird, sich jünger fühlt. Als Dürer vor gut 500 Jahren seine Mutter im Alter von 63 Jahren zeichnete, sah sie wie 83 aus, zahnlos, mit Runzeln und Glotzauge. Viele unserer Künstlerfreunde, lebende oder inzwischen verstorbene, darunter Thomas Bayrle, Anna und Bernhard Blume, Jörg Immendorff, Olaf Metzel und Franz Erhard Walther, haben sich Ende der neunziger Jahre an der Wander-Schau „Die Macht des Alters“ durch drei Bundesländer beteiligt und überwiegend Signale der Hoffnung gegeben. Nur die Blumes, so erinnern wir uns, hatten mit ihrem Foto-Comic „Prinzip Grausamkeit“, den wir 1999 in Bayern ausstellten, eine Art von Schwarzmalerei betrieben. „Ein Dokument der Endlichkeit“, sagte die Verlegerin am Küchentisch, verschmitzt das Weinglas hebend.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid