Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der November-Ausgabe der KUNSTZEITUNG erschienen.

Fallende Blätter, leichter Nebel, sanftes Grau. Wenn sich in den kommenden Tagen der November-Blues einschleichen will, dann haben wir eine Strategie parat, die wir den Künstlern verdanken. Sie sind es, die sich nicht unterkriegen lassen, die vorbildlich Optimismus versprühen, mögen noch so viele Widerstände in ihren Alltag drängen. Als wir kürzlich wieder einmal Kontakt mit der mittlerweile 86-jährigen Keramik-Künstlerin Lotte Reimers hatten, waren wir in unseren Feierabend-Gesprächen tagelang beseelt, mit derart guter Laune erfüllt, dass wir beschlossen, diese November-Kolumne eben jener sympathischen Frau zu widmen, die ihre unverwechselbaren Objekte mit Herzenswärme zu brennen scheint. Dabei sind in stundenlangen Prozessen bis zu 1 280 Grad Hitze erforderlich, um die schönen neuen Gefäße und freien Formen mit ihren malerischen Glasuren für die Ewigkeit haltbar zu machen.

Rund 50 Keramiken hat Reimers, einst in Hamburg geboren, seit Jahrzehnten in Deidesheim an der Deutschen Weinstraße zu Hause, in den vergangenen Monaten hergestellt, die zuletzt von den Museen der Stadt Landshut gezeigt wurden. Das ist nicht nur bemerkenswert, weil diese Arbeiten auf dem schmalen Grat zwischen Reduktion und Opulenz bildnerisch überzeugen. Diese Leistung will auch im Kontext jener Energie gesehen werden, die von der Kunst selbst ausgehen kann, mögen die Rahmenbedingungen noch so widrig erscheinen. Vom Wasserschaden im Atelier bis zur vorübergehend angeschlagenen Gesundheit – Lotte Reimers kann, ohne sich ausschweifend zu beklagen, quasi im Stakkato protokollieren, was so alles schiefgelaufen ist. Und dennoch verströmt sie einen Überlebensmut, der beeindruckt, der uns beschäftigt.

Die positive Grundhaltung, so überlegen wir, dürfte wohl auch aus der Bereitschaft resultieren, über den eigenen Tellerrand zu schauen, sich dem Werkstoff oder der Stilrichtung im Allgemeinen zu widmen. Der Relevanz der Kunst nachzuspüren, logisch, eine weitere Aufgabe. Vor über 20 Jahren hat die Künstlerin eine Stiftung zur Förderung der keramischen Kunst eingerichtet und damit ein Zeichen gegeben, wie wichtig ihr, der mit allerlei Preisen und dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichneten Keramik-Pionierin, der Weitblick ist. Der Blick fürs Ganze und die Konzentration aufs Detail – das macht den Dialog aus, der dieses Gesamtwerk prägt. Und bei ganz genauer Betrachtung der Keramiken schließt sich aufs Ehrlichste auch der biographische Aspekt-Kreis: Mal sind es winzige Atemlöcher, mal asymmetrische Bodenplatten, die den Verdacht keimen lassen, dass die Künstlerin gesundheitliche Schräglagen unmittelbar thematisiert. Eine große Leistung.

Freilich ist Lotte Reimers nur eine von vielen Künstlerinnen und Künstlern, die wir persönlich kennen, die uns Respekt abverlangen, ohne dass sie selbst etwas fordern würden. In einem Kunstbetrieb, den wir tagtäglich wegen seiner vielen Schattenseiten verteufeln, wo wir oft genug jammern und am liebsten aussteigen möchten, tut es so gut, Menschen um sich zu wissen, die im künstlerischen Schaffen die Kraft finden, an Größeres zu glauben, an die Kunst selbst nämlich. In der Tat muss man aufpassen, so sagen wir im passenden Moment, dass man nicht alles in einen Topf schmeißt, die Kunst und den Betrieb. Ohne Vermittlung und Vermarktung geht’s nicht, zugegeben, aber das alles darf sich bitte nicht verselbstständigen. Wieder präzise hinsehen, fühlen, denken, was die Kunst macht, was sie zu sagen hat, das könnte durchaus auch der Schlüssel sein, um die Branche und ihre Schwachstellen bloßzustellen und sie, im zweiten Atemzug, wieder auf Vordermann zu bringen. Mit herzlichen Grüßen an Lotte Reimers.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

 

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