Lindinger + Schmid

Kritischer und unabhängiger Journalismus

Im Jahr 1991 gegründet, gilt für den Verlag Lindinger + Schmid nach wie vor die Maxime, kritischen und unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

KUNSTZEITUNG

Die Zeitung, die Kunst und Kunstbetrieb durchleuchtet, und zwar Monat für Monat. Künstler und Ausstellungen, Markt und Museen, Debatten und Trends.

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Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid: ein Duo wie Nitro und Glyzerin. Wo sie auftreten, sprühen Funken, entzünden sich Debatten um Kunst und Co., strahlen Ideen und, ja, glitzert der Glamour.

Marianne Sperb, „Mittelbayerische Zeitung“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

„Die ohnehin in jedem von uns reichlich vorhandene Energie zu verdoppeln, gemeinsam unsere eigene Begeisterung für die Kunst anderen Menschen zu vermitteln, das war das Ziel, als wir uns 1990 kennenlernten und loslegten.“

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

… spontan Notiertes

Die KUNSTZEITUNG-Kolumne der Herausgeber

In jeder Ausgabe der KUNSTZEITUNG beziehen Gabriele Lindinger und Karlheinz Schmid in ihrer Kolumne „… spontan Notiertes“ Stellung – zur Kunst und zum Kunstbetrieb, aber auch zu gesellschaftlichen und politischen Phänomenen, an denen sich der engagierte Diskurs der beiden KUNSTZEITUNG-Herausgeber entzündet. Nicht zuletzt bietet ihre Kolumne immer wieder Inneneinsichten in den verlegerischen Alltag. Die hier veröffentlichte Kolumne „… spontan Notiertes“ ist in der Februar-Ausgabe der KUNSTZEITUNG erschienen.

 Schicksalsfügung oder so. Am Ende erbarmte sich jene Künstlerin, die wir von Anfang an in die engere Wahl genommen hatten, nämlich Katharina Sieverding. Nach einer ausgedehnten Havanna-Reise sagte sie vor Wochen zu, in diesem Monat an dem von uns konzipierten ARTIMA art meeting auf der Kunstmesse in Karlsruhe teilzunehmen und im Gespräch mit unserem Moderator Carl Friedrich Schröer offen zu berichten, wie sie, die mehrfache documenta- und Biennale-Artistin, einst zur Kunst fand. Wir waren ungeheuer erleichtert, bedankten uns bei Sieverding aufs Herzlichste und freuen uns nun, die Kaiserring-Preisträgerin des Jahres 2004 am 23. Februar auf der art KARLSRUHE begrüßen zu dürfen.

Eine solche Vereinbarung in dieser Kolumne zu protokollieren, mag auf den ersten Blick eigenartig erscheinen, zugegeben. Aber als wir zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe überlegten, was für Sie, unsere Leser, diesmal aus unserem Alltag interessant sein könnte, kamen wir einhellig sofort auf das Thema Künstlerinnen. Denn sowohl die Duisburger Museumsdirektorin Söke Dinkla als auch die Sammlerin Patricia Kamp, Baden-Baden/Berlin, nahmen unsere Einladung rasch an; indessen bemühten wir uns monatelang, zunächst vergeblich, um die Bereitschaft von Künstlerinnen, ebenfalls ihre Leidenschaft für die Kunst zu bekunden. Wir hatten uns nämlich nach der ernüchternden Lektüre der 490-Seiten- Schrift „Frauen in Kultur und Medien“, herausgegeben vom Deutschen Kulturrat, erstmals vorgenommen, jenes Debatten-Podium, das wir seit 2006 Jahr für Jahr im Auftrag der Karlsruher Messe- und Kongress- GmbH organisieren, ausschließlich mit Künstlerinnen und Vermittlerinnen zu besetzen (und Schröer eben als Quoten-Mann). Der Balance halber, hatten wir doch in den zurückliegenden zwölf Jahren 59 Männer und nur 30 Frauen im ARTIMA art meeting berücksichtigt.

Doch es hagelte Absage auf Absage. Für die beiden frühzeitig angebotenen Nachmittage in der dm-arena der Messe, in Halle 4 also, mochten sich – Honorar hin, Spesen her – keine prominenten Malerinnen, Bildhauerinnen oder Fotografinnen finden. Weder am 22. noch am 23. Februar, so hieß es, hätten sie Zeit. Katharina Grosse, die uns im Vorjahr schon einen Korb geben musste, ließ mitteilen, dass sie just in dieser Woche in Prag zu tun habe. Karin Kneffel, ebenfalls zum zweiten Mal eingeladen, schrieb selbst, dass es trotz der Absicht, endlich 2018 mitmachen zu wollen, leider nicht klappt, weil sie in diesen Februar- Tagen in New York erwartet wird. Katharina Fritsch, die Düsseldorfer Professorin, bat um Verständnis: „Im Februar bereits Termine und leider mit der Akademie viel zu tun“. Karin Sander bedauerte sehr, mit herzlichen Grüßen: „Auslandsreise in derselben Zeit“. Und Rosemarie Trockel, noch ein Beispiel von vielen, „ist die nächsten Monate verreist“, so die Nachricht aus der betreuenden Galerie.

Zum Haare raufen war’s. Hätte uns nicht zwischendurch die Fred-Thieler- Preisträgerin 2017, die in Berlin lebende Schweizer Malerin Christine Streuli, für den 22. Februar ihr Okay gegeben, wären wir wohl verzweifelt. Natürlich fragten wir uns, was da los ist, warum ausgerechnet die Frauen laufend absagten, nachdem sie uns oft tagelang hingehalten hatten. Liegt es an uns? Hatten wir irgendwann mal über diese oder jene Künstlerin etwas Kritisches geschrieben oder sie, schlimmer noch, anlässlich einer Ausstellung ignoriert, weil eben nicht alles redaktionell wahrgenommen werden kann? Oder sind diese Erfolgreichen wirklich ständig unterwegs, von einer Weltstadt zur nächsten? Es könnte freilich auch sein, dass sie solche vor großem Publikum geführten Dialoge lieber meiden oder gar hassen. „Öffentliche Auftritte sind nicht meine Stärke“, schrieb uns, äußerst freimütig, die Malerin Jorinde Voigt.

Dabei konnten wir im Laufe der Jahre etliche Künstlerinnen im Rahmen unseres Podiums auf der art KARLSRUHE begrüßen. In Einzelgesprächen oder in Diskussionsrunden nahmen Frauen wie Anke Doberauer (2008), Xenia Hausner (2009), Leni Hoffmann (2012) und Cornelia Schleime (2010) teil – und alle lieferten erhellende Beiträge, ob es um Künstler als Genies oder um die Ausbildung an den Akademien ging. Doch seit 2012, beinahe Jahr für Jahr, ist es ein zunehmender K(r)ampf, an die Frauen-Quote zu denken. Unsere Erfahrung: Die Forderung des Deutschen Kulturrats, sich für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen, scheitert an den Künstlerinnen selbst. Sie sollten, wie wir meinen, häufiger Ja sagen. Im Interesse der eigenen Sache.

Gabriele Lindinger + Karlheinz Schmid

 

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